Dialyse aktuell 2020; 24(08): 289
DOI: 10.1055/a-1169-8280
Editorial
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Positive Tendenzen bei der Organspende

Christian Schäfer
1  Stuttgart
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Publication Date:
12 October 2020 (online)

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Eigentlich erwartete man, dass aufgrund der Corona-Pandemie die Zahl der Organspender in Deutschland im ersten Halbjahr 2020 einbricht, wie es in Italien, Spanien und Frankreich geschehen ist. Tatsächlich stieg aber die Zahl sogar um 7,3 % gegenüber demselben Zeitraum im Vorjahr, wie die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) ermittelte. Zumindest scheint sich die Lage also grundsätzlich nicht verschlechtert zu haben – aufgrund der seit Jahren niedrigen Organspendezahlen in Deutschland wäre dies aber auch fatal gewesen.

Allerdings mahnte Prof. Dr. Bernhard Banas, Vorsitzender der Deutschen Transplantationsgesellschaft (DTG), laut „Ärzte Zeitung“ an, dass die Steigerung in den ersten Monaten 2020 seiner Meinung nach schwankungsbedingt und daher nicht aussagekräftig sei. Allerdings seien die gestiegenen Zahlen der organspendebezogenen Kontakte der Kliniken mit der DSO ein tatsächlicher Trend, wie Banas in diesem Zusammenhang sagte. Hieran werde deutlich, dass sich eine „Kultur pro Organspende“ entwickele. Gemäß „Ärzte Zeitung“ erklärte Dr. Axel Rahmel, Medizinischer Vorstand der DSO: „Die Beauftragten müssen erst benannt, geschult und bezahlt werden. Die entsprechenden Prozesse brauchen Zeit“. Positiv sei Folgendes: „Wir sehen, dass Transplantationsbeauftrage sich viel häufiger an uns wenden, um über potenzielle Spender zu sprechen als noch vor einem Jahr.“ Mit dem „Zweiten Gesetz zur Änderung des Transplantationsgesetzes – Verbesserung der Zusammenarbeit und der Strukturen bei der Organspende“ (GZSO), das am 01.04.2019 in Kraft getreten ist, wurde u. a. die Rolle der Transplantationsbeauftragten in Krankenhäusern gestärkt: Diese sind seither freigestellt, um sich besser auf ihre Aufgaben konzentrieren zu können, und die Aufwendungen für die Freistellung werden den Entnahmekrankenhäusern ersetzt.

Positiv ist auch das Ergebnis einer bundesweiten repräsentativen Befragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), das Mitte September veröffentlicht wurde: Von den 4001 Teilnehmern hatten mit 62 % etwas mehr Befragte eine Entscheidung zur Organ- und Gewebespende getroffen als noch im Jahr 2018 (56 %). Zudem dokumentierten 44 % der Befragten ihre Entscheidung in einem Organspendeausweis oder einer Patientenverfügung (2018: 39 %). Von diesen 44 % stimmten 71 % einer postmortalen Spende ihrer Organe und Gewebe zu (2018 stimmten 72 % der Befragten, die ihre Entscheidung schriftlich festgehalten hatten, einer Organspende zu). Insgesamt ist dies also eine zufriedenstellende Tendenz.

Einen gewissen Bezug zur Organspende hat auch diese Ausgabe der „Dialyse aktuell“: Mit dem Schwerpunkt „Immunsuppression bei Nierentransplantation“ möchten wir Ihnen Grundlagen und aktuelle Erkenntnisse zum Thema näherbringen – im Beitrag zu Infektionen unter Immunsuppression gehen die Autoren auch auf Besonderheiten bzgl. COVID-19 (Coronavirus Disease 2019) ein. Auf Seite 299 finden Sie übrigens einen an Dialysepatienten, Transplantierte und Angehörige gerichteten Aufruf zur Teilnahme an einer Online-Umfrage zur Organspende – gerne können Sie diesen entsprechend weitergeben. Ich wünsche Ihnen eine angenehme Lektüre des vorliegenden Heftes, das neben den genannten Artikeln noch weitere Beiträge in den Rubriken „Gesellschaft“, „Magazin“, „Original & Übersicht“ und „Forum der Industrie“ enthält.