Senologie - Zeitschrift für Mammadiagnostik und -therapie 2020; 17(02): 113-120
DOI: 10.1055/a-1158-1838
Wissenschaftliche Arbeit

Zum Einfluss soziodemografischer Faktoren auf die Art der Verdachtsdiagnosestellung und das Tumorstadium bei Erstdiagnose von Brustkrebs

Influence of Sociodemographic Factors on Type of and Stage at Diagnosis in Breast Cancer
Ulrike Annette Anja Fritz
1  Medizinische Fakultät, Institut für Medizinsoziologie, Versorgungsforschung und Rehabilitationswissenschaft (IMVR) der Humanwissenschaftlichen Fakultät und der Medizinischen Fakultät der Universität zu Köln
,
Holger Pfaff
2  Institut für Medizinsoziologie, Versorgungsforschung und Rehabilitationswissenschaft (IMVR) der Humanwissenschaftlichen Fakultät und der Medizinischen Fakultät der Universität zu Köln
,
Lena Roth
1  Medizinische Fakultät, Institut für Medizinsoziologie, Versorgungsforschung und Rehabilitationswissenschaft (IMVR) der Humanwissenschaftlichen Fakultät und der Medizinischen Fakultät der Universität zu Köln
,
Michael Swora
2  Institut für Medizinsoziologie, Versorgungsforschung und Rehabilitationswissenschaft (IMVR) der Humanwissenschaftlichen Fakultät und der Medizinischen Fakultät der Universität zu Köln
,
Sophie Elisabeth Groß
2  Institut für Medizinsoziologie, Versorgungsforschung und Rehabilitationswissenschaft (IMVR) der Humanwissenschaftlichen Fakultät und der Medizinischen Fakultät der Universität zu Köln
3  LVR-Institut für Versorgungsforschung, LVR-Klinik Köln
› Author Affiliations

Zusammenfassung

Zielsetzung Diese Studie untersucht den Einfluss soziodemografischer Faktoren auf die Art der Verdachtsdiagnosestellung und das Tumorstadium zum Diagnosezeitpunkt bei Brustkrebs.

Material und Methoden Im Rahmen der Zertifizierung der Brustkrebszentren durch die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) wurden vom Institut für Medizinsoziologie, Versorgungsforschung und Rehabilitationswissenschaft (IMVR) bundesweit poststationäre postalische Patientenbefragungen durchgeführt (n = 852). Der Einfluss soziodemografischer Faktoren auf die Art der Diagnosestellung und auf das Tumorstadium wurde jeweils mithilfe einer multinominalen logistischen Regressionsanalyse untersucht.

Ergebnisse 45,5 % der Patientinnen haben ihren Tumor selbst ertastet, 33,4 % wurden im Rahmen des Mammografiescreenings und 16,6 % bei einer gynäkologischen Vorsorgeuntersuchung diagnostiziert. Eine Diagnosestellung im Rahmen der Krebsfrüherkennungsuntersuchungen (KFU) war mit einem frühen Tumorstadium assoziiert. Patientinnen mit einem niedrigen Bildungsstatus und gesetzlich Versicherte hatten eine geringere Wahrscheinlichkeit, bei einer gynäkologischen Vorsorgeuntersuchung diagnostiziert zu werden. Patientinnen im Mammografiescreening-Alter (50–69 Jahre) hatten eine höhere Wahrscheinlichkeit für ein frühes Tumorstadium, Patientinnen mit einem niedrigen Bildungsstatus hatten dafür eine geringere Wahrscheinlichkeit.

Schlussfolgerung Die Hälfte der Patientinnen wurde außerhalb der KFU diagnostiziert. Das Mammografiescreening zeigt sich als sensitiveres Mittel zur Detektion früher Tumorstadien, da eine Assoziation zwischen einer Diagnosestellung im Rahmen der KFU und einem frühen Tumorstadium gegeben ist. Ein Alter außerhalb des Screeningbereichs und ein niedriger Bildungsabschluss stellen möglicherweise soziodemografische Risikofaktoren für ein fortgeschrittenes Tumorstadium dar. Hohe Teilnehmerraten an den KFU, insbesondere der genannten Risikogruppen, erscheinen daher wichtig, um Versorgungsungleichheiten zu minimieren.

Abstract

This study examines the influence of sociodemographic factors on the type of and stage at diagnosis in breast cancer in Germany.

Method As part of the certification of the breast cancer centers by the German Cancer Society (DGK), the Institute of Medical Sociology, Health Services and Rehabilitation Science (IMVR) conducted nationwide post-stationary postal patient surveys (n = 852). The influence of sociodemographic factors on the type of diagnosis and on the stage at diagnosis were each analyzed using a multinominal logistic regression.

Results 45.5 % palpated the tumor by themselves, 33.4 % were diagnosed by mammography screening and 16.6 % by gynecological check-up. Being diagnosed by screening was associated with an early stage cancer. Furthermore, breast cancer patients without private health insurance or with a low educational level were less likely to be diagnosed by a gynecological check-up. Patients within screening age (50–69) had higher odds for an early stage breast cancer. Patients with a low educational level had lower odds for an early stage breast cancer.

Conclusion Fifty percent of the breast cancer patients were not diagnosed by screening. Mammography screening appears to be more sensitive in detecting early stage cancer, since we found an association between diagnosis by screening and an early stage cancer. Age outside of the screening range and a low educational level might be risk factors for an advanced stage breast cancer. High screening rates, especially for these risk groups, seem to be important for early detection of breast cancer.



Publication History

Publication Date:
25 June 2020 (online)

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