Aktuelle Dermatologie 2020; 46(08/09): 351-355
DOI: 10.1055/a-1158-0507
Fehler und Irrtümer in der Dermatologie

Verspätete Aufklärung vor Lasertherapie eines Naevus flammeus

Late Informed Consent before Laser Therapy of a Port-wine Stain
P. Elsner
1   Klinik für Hautkrankheiten, Universitätsklinikum Jena
,
J. Meyer
2   Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen der norddeutschen Ärztekammern, Hannover
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Zusammenfassung

Ein Naevus flammeus im Bereich der rechten Wange einer Patientin wurde von einem Dermatologen mit einem Diodenlaser behandelt. In der Folge kam es zu einer Wundheilungsstörung und einer hypertrophen Narbe, die in einer Klinik für plastische Chirurgie mittels Vollhauttransplantation korrigiert wurde. Es verblieben dokumentierte Narbenzustände sowie ein beginnendes Ektropium.

Während ein von der Schlichtungsstelle beauftragter Gutachter keinen Behandlungsfehler feststellen konnte, kam die Schlichtungsstelle aufgrund rechtlicher Überlegungen zu dem Schluss, dass der Hautarzt gleichwohl der Patientin gegenüber für die eingetretenen Körperschäden haftbar sei, da keine rechtswirksame Einwilligung für die Laserbehandlung vorgelegen habe. Diese setze eine entsprechende Aufklärung voraus. Die Aufklärung der Patientin erfolgte jedoch am gleichen Tag, an dem ebenfalls die Behandlung durch den Hautarzt stattfand. Eine Aufklärung dürfe auch bei kleineren Eingriffen nicht erst so kurzfristig erfolgen, dass der Patient schon während der Aufklärung mit der anschließenden Durchführung des Eingriffs rechnen muss und deshalb unter Druck steht, sich nicht mehr aus dem bereits in Gang gesetzten Geschehensablauf lösen zu können.

Gerade bei dermatologischen Eingriffen im Grenzbereich zwischen medizinischer Notwendigkeit und kosmetischer Indikation kommt einer umfassenden Aufklärung auch über seltene Risiken einer Behandlung als Voraussetzung für eine rechtswirksame Einwilligung in die Durchführung der Behandlung große Bedeutung zu. Diese sollte grundsätzlich mündlich und schriftlich sowie rechtzeitig vor der Behandlung stattfinden, um dem Patienten Bedenkzeit zu geben und die Voraussetzung für eine informierte Einwilligung zu schaffen. Von einer Aufklärung erst kurz vor Durchführung der Laserbehandlung am gleichen Tag ist abzuraten. Nach der umfassenden mündlichen Aufklärung und Beantwortung allfälliger Fragen des Patienten sollten der Umfang der Aufklärung und die Einwilligung schriftlich dokumentiert werden.

Abstract

A port-wine stain at the right cheek of a female patient was treated by a dermatologist with a diode laser. The treatment was followed by delayed wound healing and a hypertrophic scar, which was corrected in a plastic surgery department by means of a full skin transplantation. Scarring and a beginning ectropion remained.

While a dermatologic expert commissioned by the Independent Medical Expert Council (IMEC) did not confirm any treatment error, the IMEC board came to the conclusion on the basis of legal considerations that the dermatologist was nevertheless liable to the patient for the bodily harm that had occurred, since there had been no legally effective informed consent for the laser treatment. For informed consent, a thorough information of the patient on the procedure is necessary. However, the patient was informed only on the same day as the treatment by the dermatologist. Even in the case of minor procedures, the patient should not be informed at such short notice that she has to reckon with the subsequent performance of the procedure already during the conversation and is therefore under pressure not to be able to detach herself from the course of events already set in motion.

Especially in the case of dermatological interventions in the border area between medical necessity and cosmetic indication, a comprehensive information including rare risks of a treatment is of great importance as prerequisite for a legally binding informed consent. In principle, this should take place orally and in writing and in due time before the treatment in order to give the patient time to consider and to create the prerequisite informed consent. It is not advisable to provide the information only shortly before the laser treatment is carried out on the same day. After comprehensive verbal information and answers to any questions of the patient, the extent of the information and the consent should be documented in writing.



Publication History

Article published online:
30 April 2020

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