PSYCH up2date 2021; 15(06): 531-546
DOI: 10.1055/a-1146-8500
Störungsübergreifende Themen und Methoden

Psychosoziale Behandlung: Hintergrund und spezifische Ansätze

Uta Gühne
,
Steffi G. Riedel-Heller

Die Erfordernisse, die mit der Behandlung von Patientinnen und Patienten mit schweren und chronischen psychischen Erkrankungen verbunden sind, sind komplex. Neben Psychopharmakotherapie und stützenden Gesprächen, Psychotherapie sowie professioneller psychiatrischer Pflege sind psychosoziale Therapien ein wesentlicher Baustein in der Behandlung, um Funktionen und Lebensqualität zu verbessern und den Erkrankungsverlauf positiv zu beeinflussen.

Kernaussagen
  • Die Prävalenz schwerer psychischer Erkrankungen wird auf 1–2 % der Erwachsenenbevölkerung geschätzt.

  • Ein chronischer und schwerer Erkrankungsverlauf ist mit langfristigen negativen Folgen in den verschiedenen Bereichen sozialer Inklusion verbunden.

  • Ziele in der Behandlung von Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen liegen deshalb auch in einer stärkeren Befähigung, ein weitestgehend unabhängiges und eigenständig gestaltetes Leben zu leben und in verbesserten Teilhabemöglichkeiten.

  • Den psychosozialen Therapien kommt damit neben den somatischen und psychotherapeutischen Ansätzen in der Behandlung von Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen eine wichtige Bedeutung zu.

  • Es gibt viele psychosoziale Therapien, die erstmalig in der S3-Leitlinie „Psychosoziale Therapien bei schweren psychischen Erkrankungen“ der DGPPN systematisiert und hinsichtlich ihrer wissenschaftlichen Evidenz kritisch bewertet wurden.

  • An der Umsetzung psychosozialer Therapien sind Akteure aus unterschiedlichsten Fachbereichen beteiligt: Medizin, Ergotherapie, Ernährungswissenschaften, Fachpflege, Künstlerische Therapien, Psychologie, Sozialarbeit, Sozialpädagogik, Sport- und Bewegungstherapie u. a. Ergänzt wird die multiprofessionelle Arbeit durch die besondere Expertise von Peers.

  • Psychosoziale Interventionen tragen in ihrer Ausrichtung auf die individuellen Bedarfe und Ziele schwer psychisch kranker Menschen und einer Betonung von Selbstbefähigung und Autonomie entscheidend zu einer Recovery-Orientierung in psychiatrisch-psychosozialen Arbeitsfeldern bei.



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Article published online:
05 November 2021

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