Tierarztl Prax Ausg G Grosstiere Nutztiere 2020; 48(02): 106-117
DOI: 10.1055/a-1128-4286
Übersichtsartikel

Anti-Doping-Regeln im Pferdesport und pharmakologische Aspekte der regelkonformen Therapie und Fütterung von Sportpferden

Antidoping rules in equine sports and pharmacological aspects of rule-consistent medical treatment and feeding of sport horses
Robert Hertzsch
Institut für Pharmakologie, Pharmazie und Toxikologie, Veterinärmedizinische Fakultät der Universität Leipzig
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Zusammenfassung

Tierärztinnen und Tierärzte erfüllen als Therapeuten und als Turniertierärzte besonders wichtige Aufgaben bei der Verhinderung von Doping im Pferdesport. Dies setzt umfangreiche und genaue Kenntnisse der Regularien voraus. Zu beachten sind sowohl staatliche Gesetze und Verordnungen, wie z. B. das Arzneimittel- und Tierschutzgesetz, als auch die für den jeweiligen Wettkampf anzuwendenden privatrechtlichen Verbandsregularien. Auf therapeutischer Seite steht der Tierarzt darüber hinaus insbesondere vor dem Problem, korrekte und angemessene Karenzzeiten für legitim angewendete Arzneimittel festzulegen. Dabei lassen sich für einen Teil der in der Pferdemedizin angewendeten Substanzen die von den Pferdesportverbänden veröffentlichten Werte nutzen. Stehen diese nicht zur Verfügung, können ersatzweise Karenzzeiten mithilfe pharmakokinetischer Heuristiken abgeschätzt werden, deren Anwendung in diesem Artikel erläutert wird. Darüber hinaus können Tierärzte bei der Beratung zur Sportpferdefütterung auf mögliche dopingrelevante Futtermittelkontaminanten hinweisen und so zur Vermeidung von Fällen unbeabsichtigten Dopings beitragen. In Mitteleuropa ist hier die Vermeidung botanischer Kontaminationen von Raufuttermitteln durch alkaloidhaltige Pflanzen wie Schlafmohn oder Stechapfel besonders bedeutsam. Turniertierärzten obliegt die Aufgabe der korrekten Probennahme bei der Durchführung von Anti-Doping-Kontrollen. Hierbei müssen Vorsichtsmaßnahmen zur Vermeidung einer Kontamination der Proben beachtet und genaue Abläufe zur Sicherung der Probenidentität und Probenqualität eingehalten werden. Dieses Prozedere wird am Beispiel der Regeln der Deutschen Reiterlichen Vereinigung exemplarisch erläutert.

Abstract

Veterinarians play an essential role in the prevention of doping in equine sports, both as attending clinicians as well as official competition veterinarians. This complex task requires comprehensive knowledge concerning the pertinent regulations. These include official laws, such as the animal protection and medicines laws as as well as rules issued by the responsible equine sports authority. Furthermore, veterinarians are required to determine adequate withdrawal times following the legitimate use of medications in sport horses. This may be performed by applying appropriate data published by the respective equestrian sports authorities. In case such data is not available, pharmacokinetic heuristics elucidated in this article may be utilized in order to define suitable withdrawal times. Furthermore, veterinarians are recommended to advise horse owners concerning the risk of feed contaminants that may cause inadvertent positive anti-doping samples. In this context, the prevention of botanical contaminations in roughage is of importance in central Europe. Official veterinarians fulfil the task of anti-doping sampling during competitions. In order to guarantee a correct procedure, precautions for the avoidance of sample contamination are warranted and correct identification of the samples must be ensured. These procedures are described by means of the rules of the German Equestrian Federation.



Publication History

Received: 22 January 2020

12 March 2020

Publication Date:
23 April 2020 (online)

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