CC BY-NC-ND 4.0 · Geburtshilfe Frauenheilkd 2020; 80(04): 410-429
DOI: 10.1055/a-1110-0909
GebFra Science
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Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Kriterien des Deutschen Konsortiums Familiärer Brust- und Eierstockkrebs zur Klassifizierung von Keimbahn-Sequenzvarianten in Risikogenen für familiären Brust- und Eierstockkrebs

Article in several languages: English | deutsch
Barbara Wappenschmidt
1  Zentrum familiärer Brust- und Eierstockkrebs, Universitätsklinikum Köln, Köln, Germany
,
Jan Hauke
1  Zentrum familiärer Brust- und Eierstockkrebs, Universitätsklinikum Köln, Köln, Germany
,
Ulrike Faust
2  Institut für Medizinische Genetik und Angewandte Genomik, Universität Tübingen, Tübingen, Germany
,
Dieter Niederacher
3  Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Universitätsklinikum Düsseldorf, Düsseldorf, Germany
,
Lisa Wiesmüller
4  Frauenklinik, Sektion Gynäkologische Onkologie, Uniklinik Ulm, Ulm, Germany
,
Gunnar Schmidt
5  Institut für Humangenetik, Medizinische Hochschule Hannover, Hannover, Germany
,
Evi Groß
6  Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Klinikum der Universität München, Campus Großhadern, München, Germany
,
Andrea Gehrig
7  Institut für Humangenetik, Universität Würzburg, Würzburg, Germany
,
Christian Sutter
8  Institut für Humangenetik, Universität Heidelberg, Heidelberg, Germany
,
Juliane Ramser
9  Frauenklinik der Technischen Universität München, Klinikum rechts der Isar, München, Germany
,
Andreas Rump
10  Institut für klinische Genetik, Technische Universität Dresden, Dresden, Germany
,
Norbert Arnold
11  Universitätsklinikum Kiel, Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, Kiel, Germany
12  Institut für Klinische Molekularbiologie, Universitätsklinikum Kiel, Kiel, Germany
,
Alfons Meindl
6  Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Klinikum der Universität München, Campus Großhadern, München, Germany
9  Frauenklinik der Technischen Universität München, Klinikum rechts der Isar, München, Germany
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Publication History

received 19 November 2019
revised 28 January 2020

accepted 29 January 2020

Publication Date:
21 April 2020 (online)

  

Zusammenfassung

Das Deutsche Konsortium für Familiären Brust- und Eierstockkrebs (GC-HBOC) etablierte vor über 10 Jahren eine Expertengruppe (VUS Task Force), um die von den einzelnen Zentren des GC-HBOC an die zentrale Datenbank in Leipzig gemeldeten Varianten hinsichtlich ihrer Klassifizierung zu überprüfen und ggf. nach aktueller Datenlage neu einzustufen. Die innerhalb der VUS-Task Force konsentierten Variantenbewertungen und resultierenden -klassifizierungen werden in einer zentralen Datenbank hinterlegt und sind als Grundlage zu berücksichtigen, um eine einheitliche Bewertung bereits bekannter wie auch neu identifizierter Varianten innerhalb der verschiedenen Zentren des GC-HBOC zu gewährleisten. Die standardisierte VUS-Bewertung durch die VUS Task Force ist ein zentrales Element des vom GC-HBOC ebenfalls etablierten Recall-Systems. Dieses dient der Weitergabe der Informationen an die in den Zentren betreuten Familien im Falle einer aufgrund neuer Erkenntnisse aktualisierten Neubewertung von bereits klassifizierten Varianten. Die in Anlehnung an international etablierte Bewertungsverfahren (IARC, ACMG, ENIGMA) angepassten Bewertungsalgorithmen der VUS Task Force werden in diesem Artikel anhand der zugrundeliegenden Entscheidungskriterien präsentiert, die gemäß eines priorisierenden Fließschemas zum Klassifizierungsergebnis führen. Weiterhin werden genspezifische Regelungen und Besonderheiten, die für einzelne mit Brust- und/oder Eierstockkrebs assoziierte Risikogene zu berücksichtigen sind, in einzelnen Unterkapiteln dargelegt. Um dem Umfang und der Dynamik des aktuellen Wissens zur Variantenbewertung gerecht zu werden, sind neben umfangreichen Literaturverweisen insbesondere auch die URLs von relevanten Datenbanken angegeben. In Zukunft sollen an neue Erkenntnisse angepasste Kriterien auf der Webseite von GC-HBOC (https://www.konsortium-familiaerer-brustkrebs.de/) veröffentlicht werden.