PSYCH up2date 2020; 14(06): 471-483
DOI: 10.1055/a-1103-6956
Abhängigkeitserkrankungen

Drogeninduzierte Psychosen

Oliver Pogarell
,
Gabi Koller
,
Kristina Adorjan

Substanzkonsumstörungen und Psychosen stehen häufig in einem kausalen Zusammenhang. Dieser kann uni- oder bidirektional sein – oder beide Störungen beruhen auf gemeinsamen ätiopathogenetischen Faktoren. Substanzen wie Cannabinoide, Stimulanzien oder Halluzinogene scheinen wichtige Ko-Faktoren für die Entwicklung einer (sekundären) Psychose darzustellen. Der Beitrag gibt einen Überblick über die Substanzgruppen, Diagnostik und Therapie.

Kernaussagen
  • Es besteht ein hohes Ausmaß an Komorbidität von Substanzkonsumstörungen und anderen psychischen Erkrankungen.

  • Primär spielen bei psychotischen Syndromen neben Alkohol vor allem Cannabisderivate, Amphetamine mit der Gruppe der neuen psychoaktiven Stoffe (NPS) und Halluzinogene eine Rolle.

  • Neben Belegen für die Selbstmedikationshypothese scheinen insbesondere Substanzen wie Cannabinoide, Stimulanzien oder Halluzinogene wichtige Ko-Faktoren für die Entwicklung einer (sekundären) Psychose darzustellen.

  • Akute Psychosen sind symptom- und syndrombezogen in erster Linie pharmakologisch zu behandeln, v. a. mit Benzodiazepinen und Antipsychotika.

  • Bei im Vordergrund stehenden paranoid-halluzinatorischen Syndromen ist eine unverzügliche und effektive Behandlung zur Lösung von Angst- und Anspannung sowie zur Reduktion des Leidensdrucks anzustreben.

  • Erregungszustände sollten unverzüglich und effektiv behandelt werden; auch nichtmedikamentöse Deeskalationsstrategien sind einzusetzen.



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Article published online:
02 November 2020

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