Deutsche Zeitschrift für Onkologie 2020; 52(01): 20-24
DOI: 10.1055/a-1101-3244
Forschung
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Die Rolle der gemeinschaftlichen Selbsthilfe bei der Bewältigung einer Krebserkrankung

Mutual Peer-Support in Coping with Cancer
Andrea Kiemen
1  CCCF Tumorzentrum, Stiftungsprofessur Selbsthilfeforschung, Universitätsklinikum Freiburg
,
Martina Jablotschkin
1  CCCF Tumorzentrum, Stiftungsprofessur Selbsthilfeforschung, Universitätsklinikum Freiburg
,
Joachim Weis
1  CCCF Tumorzentrum, Stiftungsprofessur Selbsthilfeforschung, Universitätsklinikum Freiburg
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Publication History

Publication Date:
30 March 2020 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund In Selbsthilfegruppen erhalten Betroffene krankheitsspezifische Informationen und psychosoziale Unterstützung aus der Erfahrung Gleichbetroffener. Wichtige Aspekte von Patientenkompetenz wie die Entwicklung einer aktiven ressourcengestützten Krankheitsverarbeitung können gefördert werden. Mitglieder von Selbsthilfegruppen berichten von der Erfahrung, selbstwirksam Einfluss auf das Erleben der Erkrankung nehmen zu können.

Forschungsergebnisse Bisherige Erkenntnisse aus internationalen Studienergebnissen zur Selbsthilfeforschung zeigen, dass das Potenzial der Selbsthilfe darin besteht, einen großen Einfluss auf die Krankheitsbewältigung und die damit verbundene Lebensqualität von Betroffenen haben zu können. Durch ihre Teilnahme an Selbsthilfegruppen erfahren Patienten emotionale Entlastung, eine Unterstützung in der Entscheidung für oder gegen eine medizinische Therapie und erlangen eine bessere Akzeptanz ihrer Erkrankung. Darüber hinaus wird die Beziehung zu Partnern oder Familienangehörigen entlastet und verbessert.

Ausblick Strukturelle Aspekte wie die Evaluation von Optimierungsprozessen zur Integration der Selbsthilfe in das Versorgungssystem und die Qualitätsverbesserung von Selbsthilfeaktivitäten durch gezielte Schulung und Fortbildung der Selbsthilfevertreter sind wichtige Forschungsthemen.

Schlussfolgerungen Die systematische Untersuchung von Prozess- und Wirkfaktoren der individualisierten sowie gruppenbasierten Selbsthilfe entlang patientenorientierter Konzepte wie Patientenkompetenz können dazu beitragen, die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Krebserkrankung zu verbessern.

Abstract

Background Patients with cancer can receive disease-specific information and psychosocial support in peer-support groups. Important aspects of patient competence, such as active resource-based disease management, can be experienced through mutual support from those affected by the same disease. Members of peer-support groups report on their experience of being able to exert an effective influence on the disease themselves.

Research Previous findings from international study results on self-help research show that mutual peer-support has a great influence on coping with the disease and the associated quality of life of those affected. Through their participation in self-help groups, patients experience emotional relief, support in deciding for or against medical therapy and gain better acceptance of their disease. In addition, the relationship with partners or family members is relieved and improved.

Perspectives Further important research topics are the evaluation of optimization processes to integrate peer-support into the medical care system, and the quality improvement of peer-support activities through targeted training and further education of peer-support representatives.

Conclusions The systematic investigation of process and effect factors of individualized and group-based peer-support along patient-oriented concepts such as patient competence can contribute to improving the care of patients with cancer.