Geburtshilfe Frauenheilkd 2020; 80(02): 153
DOI: 10.1055/a-1089-5715
DGGG
Mitteilungen aus der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. (DGGG)
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Leserbrief zum Beitrag „Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. (DGGG) zur Lancet-Studie ‚Type and timing of menopausal hormone therapy and breast cancer risk: individual participant meta-analysis of the worldwide epidemiological evidence‘ [29. August 2019; doi:10.1016/S0140-6736(19)31709-X]“

Martin Kolben
Praxis für Frauengesundheit, Gräfelfing
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Publication Date:
21 February 2020 (online)

Die oben angeführte Stellungnahme von Prof. Emons zu der Lancet-Metaanalyse kann nicht unwidersprochen bleiben [1]. Als Mitglied der DGGG denke ich, dass sich der Verfasser – bevor er eine Stellungnahme zu einer Publikation über ein wichtiges Thema wie Hormonersatztherapie im Namen der DGGG veröffentlicht – die Mühe machen und die Arbeit hinsichtlich etwaiger methodischer Mängel sorgfältig analysieren sollte. Dies hat der Autor ganz offensichtlich versäumt. Eine wichtige Frage für die Frau, die sich einer Therapie unterzieht, ist meist nicht, in welcher Häufigkeit etwaige Krankheiten (als Nebenwirkung) zu erwarten sind, sondern ob sie in summa von der Therapie mehr Vorteile hat als Nachteile. Und eben zu diesem Thema findet sich in der Lancet-Metaanalyse keine Aussage: Es wird an keiner Stelle über die Gesamtmortalität bei Frauen mit und ohne Hormonersatztherapie berichtet. Prof. Emons sollte sich an der differenzierten Betrachtungsweise bei der Analyse der Lancet-Publikation von Frau Prof. Stute [2] oder Prof. Wenderlein [3] ein Beispiel nehmen, wie man sich nicht durch Angaben zur relativen Risikoerhöhung von Brustkrebs verleiten lässt, eine für viele Frauen hilfreiche Therapie zu diskreditieren, sondern wie man die Mängel der Metaanalyse herausarbeitet (z. B. den Bias durch die Auswahl der untersuchten Studien mit Weglassen der randomisierten kontrollierten Studien mit weniger als 1000 Mammakarzinomfällen, die alle – bis auf die WHI-Studie – keinerlei Risikoerhöhung für Mammakarzinom unter Hormonersatztherapie über 5 Jahre Dauer gezeigt hatten; z. B. die Tatsache, dass in fast 40% der Fälle der in der Metaanalyse untersuchten Fälle konjugierte aus Pferdeurin gewonnene Östrogene zur Monotherapie verwendet wurden und in mehr als 40% Medroxyprogesteronacetat, das in Deutschland in der Regel nicht mehr zur Hormonersatztherapie angewendet wird) und selbstverständlich auch die – lange bekannten – Vorteile einer Hormonersatztherapie anführt (hier sei z. B. die signifikante Reduktion des Erkrankungsrisikos für kolorektale Karzinome genannt).