Geburtshilfe Frauenheilkd 2020; 80(03): 258-260
DOI: 10.1055/a-1087-7340
GebFra Magazin
Geschichte der Gynäkologie
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Vergessene und verdrängte Geschichte – Teil 1

Von der Gründung des königlichen Hebammen-Instituts 1793 bis zur Gründung der Universitäts-Frauenklinik 1844 im ostpreußischen Königsberg
Andreas D. Ebert
,
Matthias David
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Publication Date:
04 March 2020 (online)

75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs haben folgende Passagen aus der bedeutenden Rede, die Richard von Weizsäcker (1920 – 2015) 1985 im Bonner Bundestag hielt, nichts von ihrer Aktualität eingebüßt: „… Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Niemand wird um dieser Befreiung willen vergessen, welche schweren Leiden für viele Menschen mit dem 8. Mai erst begannen und danach folgten. Aber wir dürfen nicht im Ende des Krieges die Ursache für Flucht, Vertreibung und Unfreiheit sehen. Sie liegt vielmehr in seinem Anfang und im Beginn jener Gewaltherrschaft, die zum Krieg führte. Wir dürfen den 8. Mai 1945 nicht vom 30. Januar 1933 trennen. Wir haben wahrlich keinen Grund, uns am heutigen Tag an Siegesfesten zu beteiligen. Aber wir haben allen Grund, den 8. Mai 1945 als das Ende eines Irrweges deutscher Geschichte zu erkennen, das den Keim der Hoffnung auf eine bessere Zukunft barg …“ [1]. Für Deutschland war dieser Irrweg u. a. auch mit dem Verlust von Gebieten verbunden, die jahrhundertelang die deutsche Geschichte wirtschaftlich und kulturell prägten, wie z. B. die Provinz Ostpreußen mit ihrer Hauptstadt Königsberg, dem heute russischen Kaliningrad, und ihrer dort von Herzog Albrecht von Brandenburg-Ansbach (1490 – 1568) ([Abb. 1]) 1544 gegründeten Albertus-Universität, der „Albertina“ [2], [3], [4], [5], [6].