Frauenheilkunde up2date 2021; 15(02): 167-179
DOI: 10.1055/a-1084-4360
Gynäkologische Onkologie

Borderlinetumoren des Ovars – ein Update

Werner Meier
,
Anne Kathrin Volkmer
,
Tanja Fehm

Die angemessene Behandlung von Borderlinetumoren (BOT) ist eine Herausforderung. Wichtig für die endgültige Einstufung und adäquate Therapie der zumeist als Zufallsbefunde diagnostizierten und häufig asymptomatischen BOT ist das sekundäre operative Staging. Nach Vorstellung der histologischen BOT-Subgruppen behandelt dieses Update die leitliniengerechte Behandlung von BOT und ggf. Rezidiven – auch unter dem Aspekt der Fertilitätserhaltung.

Kernaussagen
  • Borderlinetumoren (BOT) stellen eine eigene Entität innerhalb der Ovarialtumoren dar, die gegenüber den invasiven Karzinomen eine deutlich bessere Prognose aufweisen.

  • Die am häufigsten beobachteten histologischen Subtypen im europäischen Raum sind seröse und muzinöse Borderlinetumoren.

  • BOT weisen nur selten spezifische Symptome auf und werden häufig als Zufallsbefund diagnostiziert.

  • Die Standardtherapie besteht aus der beidseitigen Adnexektomie, der Omentektomie, multiplen Peritonealbiopsien und einer Spülzytologie. Sämtliche auffällige Areale werden entfernt. Der Uterus kann bei in der Regel unauffälligem Befund belassen werden.

  • Bevorzugter operativer Zugang ist die Laparoskopie. Es zeigt sich keinerlei Verschlechterung der Prognose gegenüber der Laparotomie.

  • Bei jungen Patientinnen und Frauen mit Kinderwunsch kann die unauffällige kontralaterale Adnexe erhalten werden. Jedoch ist auch bei Fertilitätserhaltung ein sorgfältiges Staging erforderlich.

  • Auch in den seltenen höheren Stadien ist keine adjuvante Chemotherapie oder Strahlentherapie erforderlich. Es gibt keine Hinweise darauf, dass durch adjuvante Maßnahmen die Prognose verbessert wird.

  • Rezidive treten innerhalb der ersten 5 Jahre selten auf, wobei die Rezidivrate nach Fertilitätserhaltung höher ausfällt. Ist die verbliebene Adnexe betroffen, kann die Therapie häufig aus der alleinigen Operation bestehen. Die Gesamtprognose wird durch das Rezidiv dann nicht beeinflusst.

  • Bei 30% der Rezidive zeigt sich der Übergang in ein invasives Karzinom. Meist handelt es sich dabei um Low-grade Karzinome, es können aber auch high-grade Karzinome auftreten. Invasive Rezidive werden in der Regel durch Chemotherapie nach Operation oder je nach Verteilungsmuster durch eine systemische Therapie alleine behandelt.



Publication History

Publication Date:
07 April 2021 (online)

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