Frauenheilkunde up2date 2021; 15(02): 143-162
DOI: 10.1055/a-1068-7227
Gynäkologische Onkologie

Medikamentöse Therapie des Ovarialkarzinoms

Frederik Marmé

PARP-Inhibitoren und prädiktive Biomarker sowie die HRD-Testung haben in den letzten Jahren Einzug in die Diagnostik und Therapie bei allen Stadien des Ovarialkarzinoms gefunden. Dieser Beitrag beleuchtet die klinische und therapeutische Evidenz und gibt das erforderliche Hintergrundwissen für die Behandlung aller Stadien des Ovarialkarzinoms.

Kernaussagen
  • Für die richtige Therapieentscheidung in der Erstlinie ist beim frühen Ovarialkarzinom auf jeden Fall ein komplettes operatives Staging erforderlich.

  • Der heutige Standard für die Erstlinientherapie des fortgeschrittenen Ovarialkarzinoms besteht aus 6 Zyklen Carboplatin (AUC 5) und Paclitaxel (175 mg/m2) in 3-wöchentlichen Gaben.

  • In der Erstlinientherapie mit Carboplatin/Paclitaxel sollten aufgrund der Evidenz keine Änderungen bei Dosisdichte und Intensität erfolgen.

  • Die Erstlinienbehandlung mit Bevacizumab führt zu einer signifikanten Verlängerung des progressionsfreien Überlebens ohne Einfluss auf das Gesamtüberleben. Lediglich in Subgruppen mit besonders hohem Risiko für frühe Rezidive deutet sich ein Vorteil im Gesamtüberleben an.

  • Bei Patientinnen mit BRCA-Mutationsnachweis oder einer HRD sind PARP-Inhibitoren als Erhaltungstherapie nach Ansprechen auf die platinhaltige Erstlinienchemotherapie der Standard.

  • Für Patientinnen mit BRCA-Mutation oder HRD können auch beide Therapieprinzipien (Antiangiogenese und PARP-Inhibition) in der Erstlinientherapie kombiniert werden.

  • Für Patientinnen ohne Nachweis einer HRD sind sowohl eine Erstlinientherapie mit Bevacizumab als auch die PARPi-Erhaltungstherapie mit Niraparib valide Therapieoptionen.

  • Für eine bestmögliche Therapie in der Erstlinie ist eine BRCA- und HRD-Testung erforderlich.

  • Im platin-geeigneten Rezidiv sind platinhaltige Kombinationschemotherapien einer Monotherapie mit Platin und platinfreien Alternativen überlegen.

  • Im platingeeigneten Rezidiv eines High-grade Karzinoms ist bei Ansprechen auf eine platinhaltige Therapie die PARPi-Erhaltungstherapie der Standard.

  • Platinfreie Therapieoptionen sind im platingeeigneten Rezidiv der platinhaltigen Therapie unterlegen.

  • Der Nutzen ist für Patientinnen mit nachgewiesener Mutation oder HRD am größten.

  • Therapie der Wahl im platinungeeigneten Rezidiv ist eine Monochemotherapie mit z.B Paclitaxel, pegyliertem liposomalem Doxorubicin oder Topotecan. Die Chemotherapie kann ggf. mit Bevacizumab kombiniert werden.



Publication History

Publication Date:
07 April 2021 (online)

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