Neuroradiologie Scan 2020; 10(01): 37-55
DOI: 10.1055/a-1056-7556
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Neue Therapieansätze bei progredienter Multipler Sklerose

Simon Faissner
,
Ralf Gold

Subject Editor: Wissenschaftlich verantwortlich gemäß Zertifizierungsbestimmungen für diesen Beitrag ist Dr. Simon Faissner, Bochum.
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Publication Date:
11 February 2020 (online)

Die Therapie der Multiplen Sklerose hat sich in den letzten Jahren durch die Entwicklung neuer Medikamente für die schubförmige Phase der Erkrankung umfangreich gewandelt. Die Entwicklung von Medikamenten gegen eine Progression war bisher hingegen – abgesehen von Ocrelizumab und Siponimod wenig erfolgreich. In dieser Arbeit soll eine Übersicht über das Verständnis der Pathogenese und vielversprechende Therapieansätze für Progression in unterschiedlichen Stadien der Entwicklung gegeben werden.

Kernaussagen
  • Die progrediente MS ist pathomechanistisch durch eine chronische Inflammation mit Aktivierung von T- und B-Zellen und Mikroglia mit Freisetzung reaktiver Sauerstoffmetabolite, altersabhängige Akkumulation von Eisen und damit einhergehend neuronale Degeneration gekennzeichnet.

  • Der B-Zell-depletierende Antikörper Ocrelizumab ist seit 2018 für die primär progrediente MS mit Krankheitsaktivität zugelassen und reduziert das Risiko einer Behinderungsprogression um 24 % nach 3 Monaten.

  • Siponimod reduzierte das Risiko einer Behinderungsprogression bei SPMS um 21 % nach 3 Monaten.

  • Es gibt eine Vielzahl potenzieller therapeutischer Ansätze, bestehend aus

    • antiinflammatorischen Ansätzen,

    • neuroprotektiven Ansätzen und

    • remyelinisierenden Ansätzen.

Es besteht kein Konsens über einheitliche Outcome-Parameter bei Studien zur Progression.