Neuroradiologie Scan 2020; 10(03): 217-238
DOI: 10.1055/a-1056-6025
CME-Fortbildung

Radiologische Hinweise auf zerebrale Venenthrombose

Radiologic clues to cerebral venous thrombosis
María Canedo-Antelo
,
Sandra Baleato-González
,
Antonio J. Mosqueira
,
Jéssica Casas-Martínez
,
Laura Oleaga
,
Joan C. Vilanova
,
Antonio Luna-Alcalá
,
Roberto García-Figueiras

Die zerebrale Venenthrombose ist potenziell reversibel, sofern sie umgehend und in geeigneter Weise diagnostiziert und behandelt wird. Da die klinischen Manifestationen unspezifisch sind, kommt der bildgebenden Diagnostik dabei eine wichtige Rolle zu. Der Beitrag beschreibt deshalb die verschiedenen Subtypen der zerebralen Venenthrombose mit den für sie typischen bildgebenden Befunden sowie die Eignung der verschiedenen Bildgebungstechniken.

Abstract

Cerebral venous thrombosis (CVT) is uncommon, representing approximately 0,5 % of all cases of cerebrovascular disease worldwide. Many factors, alone or combined, can cause CVT. Although CVT can occur at any age, it most commonly affects neonates and young adults. CVT is difficult to diagnose clinically because patients can present with a wide spectrum of nonspecific manifestations, the most common of which are headache in 89 – 91 %, focal deficits in 52 – 68 %, and seizures in 39 – 44 % of patients. Consequently, imaging is fundamental to its diagnosis. MRI is the most sensitive and specific technique for diagnosis of CVT. The different MRI sequences, with and without the use of contrast material, have variable strengths. Contrast material-enhanced MR venography has the highest accuracy compared with sequences without contrast enhancement.

Kernaussagen
  • Obwohl bei den meisten Patienten mit ZVT mehr als ein Risikofaktor vorliegt, sind bis zu 20 % der Fälle idiopathischer Natur. Deshalb schließt das Fehlen von Risikofaktoren die Diagnose nicht aus.

  • Prinzipiell kann eine ZVT in jedem Alter auftreten, meist sind jedoch Neugeborene und junge Erwachsene betroffen.

  • Klinisch ist eine ZVT schwierig zu diagnostizieren, da die Patienten mit einem breiten Spektrum unspezifischer Manifestationen vorstellig werden können (am häufigsten mit Kopfschmerzen, fokalen Defiziten und Konvulsionen).

  • Das Empty-Delta-Zeichen besteht in der CT in einem dreieckig geformten Areal mit Kontrastmittelanreicherung rund um ein hypodenses Zentrum, das dem Thrombus entspricht. Dieses Zeichen findet sich zwar klassischerweise im Sinus sagittalis superior, ein ähnliches Zeichen kann sich jedoch auch in sagittalen und koronaren Aufnahmen des Sinus transversus darstellen.

  • Bei der MRT handelt es sich um die sensitivste und zugleich spezifischste Technik für die Diagnose einer ZVT. Die kontrastverstärkte MR-Venografie verfügt gegenüber nativen Sequenzen über die höchste Genauigkeit.

  • Im Bereich des Parenchyms sind die häufigsten Befunde ein vasogenes und ein zytotoxisches Ödem, gelegentlich gemeinsam, sowie eine intraparenchymale Blutung.

  • In der nativen MRT stellt sich die tiefe ZVT typischerweise als bilaterales Thalamusödem dar, das bei annähernd 86 % der Patienten zu beobachten ist. Dieses Ödem kann sich bis zu den Basalganglien (in ⅓ der Fälle) und zur benachbarten tiefen weißen Substanz ausdehnen.

  • Wenn ein Ödem oder eine kortikale bzw. subkortikale fokale Blutung entdeckt wird, ist es wichtig, die Dichte und/oder Signalintensität der benachbarten kortikalen Venen zu beurteilen, vor allem wenn diese Läsionen nicht der arteriellen Verteilung folgen.



Publication History

Publication Date:
06 August 2020 (online)

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