CC BY-NC-ND 4.0 · Geburtshilfe Frauenheilkd 2020; 80(03): 307-315
DOI: 10.1055/a-1033-9588
GebFra Science
Original Article/Originalarbeit
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Zyklusabhängige Diarrhö und Dysmenorrhö sind unabhängige Prädiktoren für das Vorliegen einer peritonealen Endometriose, zyklusabhängige Dyschezie für das Vorliegen eines Rektumbefalls

Article in several languages: English | deutsch
Kristin Nicolaus
Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Fortpflanzungsmedizin des Universitätsklinikums Jena, Friedrich-Schiller-Universität Jena, Jena, Germany
,
Laura Reckenbeil
Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Fortpflanzungsmedizin des Universitätsklinikums Jena, Friedrich-Schiller-Universität Jena, Jena, Germany
,
Dominik Bräuer
Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Fortpflanzungsmedizin des Universitätsklinikums Jena, Friedrich-Schiller-Universität Jena, Jena, Germany
,
Robert Sczesny
Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Fortpflanzungsmedizin des Universitätsklinikums Jena, Friedrich-Schiller-Universität Jena, Jena, Germany
,
Herbert Diebolder
Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Fortpflanzungsmedizin des Universitätsklinikums Jena, Friedrich-Schiller-Universität Jena, Jena, Germany
,
Ingo B. Runnebaum
Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Fortpflanzungsmedizin des Universitätsklinikums Jena, Friedrich-Schiller-Universität Jena, Jena, Germany
› Author Affiliations
Further Information

Publication History

received 23 July 2019
revised 19 October 2019

accepted 22 October 2019

Publication Date:
04 March 2020 (online)

  

Zusammenfassung

Einleitung Das klinische Erscheinungsbild der Endometriose ist vielfältig. Durch die mit gastroenterologischen Erkrankungen überlappenden Symptome kann es zu Fehldiagnosen und erheblicher Verzögerung der Diagnosestellung kommen. Ziel war es, die Art und Dauer der endometrioseassoziierten Symptome zu evaluieren sowie Prädiktoren für Befallsmuster in Abhängigkeit von den Beschwerden zu identifizieren.

Material und Methode Es erfolgte eine Erfassung von 266 konsekutiven Patientinnen, die im Zeitraum von 1/2016 bis 12/2017 aufgrund einer histologisch gesicherten Endometriose am Endometriosezentrum operiert wurden. Zusätzlich zur Erfassung klinischer Parameter wurden die Patientinnen über einen Fragebogen zu ihrer Krankengeschichte befragt. Patientinnen mit Sterilität wurden als Gruppe 1 den Patientinnen ohne Sterilität (Gruppe 2) gegenübergestellt.

Ergebnisse Die Rücksenderate der Fragebögen betrug 79,47% (182/229). 41,8% berichteten über eine Sterilität und 91,8% über Unterbauchschmerzen. Von Erstsymptom bis Diagnosestellung vergingen in beiden Gruppen in mehr als ⅓ der Fälle über 10 Jahre (39,4 vs. 37,5%). Bis zur Vorstellung in einer Klinik bzw. bis zur Indikation der laparoskopischen Diagnostik wurden im Mittel 2,72 (± 1,58) bzw. 3,08 (± 1,72) Ärzte aufgesucht (p = 0,162). Zyklusabhängige Diarrhö (Odds Ratio 2,707, 95%-KI 1,063 – 6,895, p = 0,037) und Dysmenorrhö (Odds Ratio 2,278, 95%-KI 1,193 – 4,348, p = 0,013) waren mit einem Befall des Beckenperitoneums assoziiert, die zyklusabhängige Dyschezie war mit dem Befall des Rektums um den Faktor 4,6 in der binären Regressionsanalyse assoziiert (Odds Ratio 4,659; 95%-KI 1,132 – 19,186; p = 0,033).

Schlussfolgerung Zyklusabhängige Diarrhö und Dysmenorrhö erhöhten das Risiko für das Vorhandensein einer peritonealen Endometriose. Dyschezie erhöhte das Risiko einer Rektumendometriose.