PPH 2020; 26(01): 49
DOI: 10.1055/a-1032-3073
Rund um die Psychiatrie
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Für Sie gelesen: Aktuelle Studien: Siniver E, Yaniv G. Optimism, pessimism, mood swings and dishonest behavior. Journal of Economic Psychology 2019; 72: 54–63

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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
10. Februar 2020 (online)

Hintergrund: Unehrlichkeit ist ein verbreitetes Phänomen in sozialen und wirtschaftlichen Bereichen. Beispiele hierfür sind Steuerhinterziehung, Betrug zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber oder wenn Firmen die Unwissenheit der Verbraucher durch Manipulation und Täuschung ausnutzen. In den letzten 2 Jahrzehnten haben Verhaltensökonomen und Sozialpsychologen zahlreiche Labor- und Feldexperimente durchgeführt, um mehr Erkenntnisse über die Betrugstendenzen von Menschen zu erfahren. Die Forschung konzentrierte sich dabei vor allem auf die Auswirkungen von Alter, Geschlecht, krimineller Vergangenheit, sozialem Umkreis sowie persönlichen Merkmalen, wie zum Beispiel Studienfach, beruflichen Qualifikationen, Kreativität und Religiosität. Neuere Studien konzentrieren sich auf die Auswirkungen vorübergehender kognitiver und emotionaler Zustände. Sie argumentieren, dass Selbstbeherrschung und kognitive Anstrengungen erforderlich sind, um selbstsüchtige Impulse kontrollieren zu können und sich ehrlich zu verhalten. Die hier vorgestellte Studie berichtet über 2 Experimente, mit denen untersucht wurde, wie sich Optimismus, Pessimismus und Stimmungsschwankungen auf unehrliches Verhalten auswirken.

Methode: Teilnehmende waren 122 Studenten mit einem Durchschnittsalter von 24 Jahren. Zunächst wurde untersucht, wie sich exogen induzierte optimistische und pessimistische Stimmungen auf deren Unehrlichkeitstendenzen auswirken. Die Teilnehmenden sollten vor und nach einer schwierigen Prüfung auf einer Optimismus- und Pessimismus-Stimmungsskala angeben, wie sie ihre Erfolgsaussichten einschätzen und anschließend die „Die-under-the-cup task” durchführen. Hierbei würfeln die Teilnehmenden unter einer Abdeckung und notieren dann das Ergebnis, ohne dabei kontrolliert zu werden. Entsprechend dem Ergebnis in einer Rankingskala werden die Probanden monetär bezahlt. Da nur die Teilnehmenden das Würfelergebnis sehen, können diese einfach betrügen, um die Auszahlungen zu erhöhen, ohne dabei erwischt zu werden.

Ergebnis: Unehrliches Verhalten korrelierte signifikant mit positiven Stimmungsbildern, die vor und nach der Prüfung auftraten. Dieses Ergebnis steht im Kontrast zu der bisherigen Annahme, dass Leistungsschwache eher schummeln, um mit den anderen mithalten zu können. Die Korrelation impliziert jedoch nicht notwendigerweise, dass Optimismus die Ursache für die größere Unehrlichkeit ist, da es noch andere Empfindungen geben könnte, die bisher nicht in der Forschung berücksichtigt wurden.

Fazit: Je höher die Leistung eines Menschen ist, desto stärker ist tendenziell die Eigenmotivation, diese aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig steigt die Versuchung, diese Leistung durch betrügerisches Verhalten zu erreichen, wenn sich eine sichere Gelegenheit dazu bietet.

Jörg Kußmaul

Hintergrund: Diese Studie baut auf der bisherigen Forschung auf, ob Fremd- und Selbsteinschätzung übereinstimmen. Sie basiert auf dem Trait-Reputation-Identity-Model (TRI) kombiniert mit dem theoretischen Ansatz der Multitrait-Multimethod-Forschung sowie dem Model for Different Types of Raters CTC (M-1). Diese Methodenkombination wird angewendet, um statistische Probleme im Zusammenhang mit latenten Merkmalsmodellen zu vermeiden, die zuvor in der TRI-Modellforschung verwendet wurden. Auf diese Weise kann untersucht werden, ob ein Bewerter Informationen und unterschiedliche Merkmale objektiv oder eher abhängig von der subjektiven Einschätzung bewertet. Diese Studie beschäftigt sich mit der „Dark Triad“ (Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie), da diese bisher nur selten aus verschiedenen Rater-Perspektiven untersucht wurde. Ziel war es, neue Einblicke in das Zusammenwirken dieser Persönlichkeitsmerkmale und die objektive Identifizierung zu erhalten. Außerdem sollten Möglichkeiten identifiziert werden, die das Potenzial des TRI-Modells voll ausschöpfen, indem mehrere Persönlichkeitsmerkmale gleichzeitig analysiert werden.

Methode: An dieser Studie nahmen 290 Probanden (56 % weiblich, 44 % männlich) teil. Diese Stichprobengröße wurde bewusst gewählt, da der Schwerpunkt der TRI-Modellanalysen auf Korrelationen liegt und diese sich nachweislich ab einer Stichprobengröße von 250 stabilisieren. Das Persönlichkeitsmerkmal Narzissmus wurde mit der deutschen Version des Narzisstischen Persönlichkeitsinventars (NPI) bewertet, der Machiavellismus wurde mit der deutschen Version des Fragebogens zum Machiavellismus (Mach IV) untersucht und die Psychopathie wurde mit der Self-Report Psychopathy Scale-III (SRP-III) erforscht. Alle statistischen Modelle wurden mit Mplus 7.4 unter Verwendung eines robusten Wahrscheinlichkeitsschätzers (MLR/FIMLR) analysiert.

Ergebnis: Es zeigte sich, dass die Bestimmung der Genauigkeit unabhängig vom Beurteiler (Rater) nur für die systematische Identifizierung des Persönlichkeitsmerkmals Narzissmus hoch ist, nicht aber für Machiavellismus oder Psychopathie. Die Rater unterschätzen tendenziell diese beiden Persönlichkeitsmerkmale, basierend auf einer reinen Einschätzungsskala.

Fazit: Die kombinierte Verwendung des TRI-Modells zur Identifizierung von „Dark Triad“-Persönlichkeitsmerkmalen, bestehend aus dem Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie, erweist sich als nützlich.

Jörg Kußmaul