Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-1028-7283
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Entwicklung von Entscheidungshilfen für das organisierte Zervixkarzinom-Screening in Deutschland

Development of Decision Aids for Organized Cervical Carcinoma Screening in Germany
1  Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, Köln
,
Dennis Fechtelpeter
1  Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, Köln
,
Beate Zschorlich
1  Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, Köln
,
Martin Wegmann
2  Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Köln
,
Sabine Keller
1  Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, Köln
,
Christoph Schürmann
1  Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, Köln
,
Ulrike Lampert
1  Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, Köln
,
Astrid Seidl
1  Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, Köln
,
Inger Janßen
1  Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, Köln
,
Klaus Koch
1  Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, Köln
› Author Affiliations
Further Information

Publication History

Publication Date:
12 December 2019 (online)

Zusammenfassung

Ziel der Studie Der Gemeinsame Bundesausschuss hat beschlossen, im Jahr 2020 ein organisiertes Zervixkarzinom-Screening einzuführen. Die vorliegende Arbeit beschreibt die Entwicklung von Entscheidungshilfen, die Frauen im Rahmen dieses Programms zugesendet werden sollen.

Methodik Es wurde eine systematische Recherche nach qualitativen Studien und Surveys zur Erfassung von Erfahrungen, Einstellungen und Informationsbedürfnissen durchgeführt. Ebenso wurde nach systematischen Übersichten zu den Vor- und Nachteilen des Screenings recherchiert. Darüber hinaus wurde eine bereits existierende Entscheidungsanalyse für das Zervixkarzinom-Screening in Deutschland herangezogen. Die Entwürfe wurden einer qualitativen Testung (Fokusgruppen mit 26 Frauen und 8 Experteninterviews), einer quantitativen Nutzertestung (Online-Survey n=2 014 Frauen) sowie einer öffentlichen Anhörung unterzogen.

Ergebnisse Die meisten Frauen fanden in den Nutzertestungen die Entscheidungshilfen informativ und hilfreich. Die Mehrzahl würde die Materialien weiterempfehlen. Für viele Frauen war ein Teil der Informationen neu, obwohl sie schon länger an der Zervixkarzinom-Früherkennung teilnahmen. Die Darstellung der Vor- und Nachteile wurde als ausgewogen beurteilt. An der durchschnittlichen Teilnahmebereitschaft änderte sich nach Lesen der Materialien wenig. Allerdings änderten etwa 10 % ihre Einstellung dazu. Etwa 70 % der Frauen würde am Screening teilnehmen.

Schlussfolgerungen Die Entscheidungshilfen fanden eine hohe Akzeptanz unter den Nutzerinnen. Sie können helfen, Wissensdefizite zum Zervixkarzinom-Screening abzubauen, und eine informierte Entscheidung unterstützen.

Abstract

Aim of the study The Federal Joint Committee has decided to introduce organized cervical carcinoma screening in 2020. The present work describes the development of decision aids that will be sent to women in this program.

Methods A systematic search for qualitative studies and surveys was conducted to gather information on experiences, attitudes and information needs. Furthermore, we searched for systematic reviews on advantages and disadvantages of screening. An existing decision analysis for cervical carcinoma screening in Germany was used. The designs were subjected to a qualitative test (focus groups with 26 women and 8 expert interviews), to a quantitative user test (online survey n=2,014 women) and to a public hearing.

Results Most women found the decision aids informative and helpful. The majority would recommend the use of these materials to others. For many women, part of the information was new, although they had been involved in cervical cancer screening for some time. The presentation of the advantages and disadvantages was judged to be balanced. However, 10% changed their attitude towards participation and 70% of women would attend screening.

Conclusion The decision aids found a high acceptance among the users. They can help to reduce knowledge deficits on cervical carcinoma screening and support a informed decision making.