Handchir Mikrochir plast Chir 2019; 51(06): 509
DOI: 10.1055/a-1027-8217
Pressemitteilung
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Angeborene Fehlbildungen an der Hand: Was sind die Ursachen?

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Publikationsdatum:
07. November 2019 (online)

Innerhalb weniger Monate kamen in Gelsenkirchen drei Neugeborene mit rudimentär ausgebildeter Hand zur Welt. Die Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie gibt aus diesem Anlass eine Erläuterung zur Statistik sowie zu den möglichen Auslösern von Fehlbildungen an der Hand wie folgt:

Handfehlbildungen treten, soweit bekannt, spontan auf oder werden vererbt. Bei blutsverwandten Eltern treten sie häufiger als bei nicht verwandten Eltern auf. Selten werden Fehlbildungen durch Medikamente oder chemische Stoffe verursacht. Möglicherweise ist deren Einfluss bisher noch nicht bekannt.

Angeborene Fehlbildungen der Hand kommen schätzungsweise von 1:1.000 bis zu 1:2.000 Lebendgeborenen vor. Bei knapp 780.000 Neugeborenen pro Jahr in Deutschland kommen also etwa 400 bis 800 Säuglinge mit unterschiedlichsten Handfehlbildungen zur Welt.

Es existiert kein bundesweites Register zur Erfassung von Fehlbildungen in Deutschland. Nur wenn Vergleichszahlen aus der Vergangenheit vorlägen und diese mit den aktuellen Fällen in den verschiedenen Regionen verglichen würden, könnten Auffälligkeiten erkannt und gezielt nach der Ursache geforscht werden.

Aktuell wird im ICD, dem offiziellen Klassifikationssystem für medizinische Diagnosen, für die Diagnose von Handfehlbildungen ein unspezifischer Code verwendet. So wird das Fehlen eines Fingers, das Fehlen mehrerer Finger wie auch das Fehlen einer ganzen Hand unter einer Ziffer codiert. Damit ist der ICD leider nicht für eine Analyse von Handfehlbildungen geeignet und hilft auch nicht beim korrekten Erfassen der jeweiligen Fehlbildungsart.

Für eine gezielte Ursachenforschung zu angeborenen Fehlbildungen bedürfte es einer verpflichtenden Meldung bundesweit und eines zentralen, bundesweiten Fehlbildungsregisters. Zudem müssten Handfehlbildungen nicht nur im ICD, sondern zusätzlich nach der international anerkannten Oberg-Manske-Tonkin-Klassifikation codiert werden. Fehlbildungen im Alter von ein bis zwei Jahren müssten durch einen erfahrenen Handchirurgen und Humangenetiker diagnostiziert werden, gefolgt von einer epidemiologischen Analyse der Häufigkeiten und eine Untersuchung auf mögliche Auslöser.

Betroffene Familien sollten sich bei Handfehlbildungen an einen Handchirurgen wenden. Er kann eine erste Einschätzung vornehmen und die kleinen Patienten an spezialisierte Kollegen oder Kliniken weiterleiten.

Weitere Informationen

Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie e. V.

Straße des 17. Juni 106–108, 10623 Berlin, Tel. 030/340 603 666

Dr. Wiebke Hülsemann

Zentrum für Hand- und Fußfehlbildungen

Handchirurgie im Kinderkrankenhaus Wilhelmstift, Hamburg

Dr. Eva-Maria Baur

Plastische und Handchirurgie Murnau

Präpräsidentin der DGH

Dr. Berthold Bickert

Sektionsleiter Handchirurgie

BG-Klinik Ludwigshafen

Präsident der DGH