Handchir Mikrochir plast Chir 2019; 51(06): 506-508
DOI: 10.1055/a-1025-3754
In eigener Sache
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

HaMiPla Best Paper Sitzungen – Ihre Favoriten 2018

HaMiPla Best Paper Award – Your Favourites in 2018
Sonja Schmid
,
Daria Gose
,
Karl-Joseph Prommersberger
,
Riccardo E. Giunta
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Publication History

Publication Date:
07 November 2019 (online)

Alljährlich zeichnen die Herausgeber und die Thieme-Gruppe mit dem HaMiPla Best-Paper-Award die Top Publikationen in Handchirurgie und Plastischer Chirurgie aus, die unsere Leser im vergangenen Jahr am meisten interessiert haben. Gemessen wird dies anhand der Online-Zugriffstatistiken auf die im jeweiligen Jahr veröffentlichten Artikel. Die Verleihung des Preises erfolgte im Rahmen der wissenschaftlichen Sitzungen auf dem IFSSH-/IFSHT-KONGRESS und der DGPRÄC/VDÄPC-Jahrestagung.

Die Sitzung mit dem handchirurgischen Schwerpunkt fand dieses Jahr unter dem Vorsitz von Karl-Josef Prommersberger (Bad Neustadt) und Riccardo E. Giunta (München) im Rahmen des 14th IFSSH and 11th IFSHT Triennial Congress in Berlin am 19. Juni 2019 statt.

Bei dem ersten Vortrag von Maxi Sacher stellte sich die Frage, ob die Vergütung bei Fingeramputationen und -replantationen bei unterschiedlichen Kostenträgern kostendeckend ist [1]. Die Analyse der Kosten- und Vergütungsdaten zeigte, dass die Vergütung der Behandlung von Fingeramputationen abhängig vom Kostenträger ist. In der gesetzlichen Unfallversicherung ist die Vergütung sowohl für Fingerreplantationen als auch -amputationen in Berufsgenossenschaftlichen Kliniken kostendeckend. Bei gesetzlich versicherten Patienten ist es nur bei primären Stumpfbildungen der Fall. Als Fazit zeigte sich, dass eine Überarbeitung der Kalkulationsgrundlage, insbesondere bei Fingeramputationsverletzungen, die mit einer Replantation versorgt werden, sinnvoll wäre.

Hendrik Schöll zeigte im zweiten Vortrag die mittelfristigen Ergebnisse nach Impressionsfrakturen der Mittelgliedbasis, die ausschließlich mittels perkutaner Aufstopfung und K-Draht-Osteosynthese versorgt wurden [2]. Für die Studie konnten insgesamt 21 Patienten nach durchschnittlich 13,2 Monaten klinisch und radiologisch nachuntersucht werden. Dabei wurde deutlich, dass die alleinige intramedulläre Aufstopfung mit K-Draht-Osteosynthese ein geeignetes und zuverlässiges Verfahren zur Therapie der zentralen Impressionsfraktur der Mittelgliedbasis darstellt.

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Preisträger und Referenten auf dem IFFSH-Kongress in Berlin. ((Quelle: Intercongress))

Sind Knochentransplantate bei aufklappenden Osteotomien am distalen Radius notwendig oder doch unnötig wie manche Studien nahelegen? Dieser Frage ist Thomas Pillukat nachgegangen [3]. Bei 19 Patienten wurde mit einer symptomatischen, in Extension fehlverheilten extraartikulären distalen Radiusfraktur eine Korrekturosteotomie unter Einsatz einer palmaren winkelstabilen Platte ohne zusätzliche Knochentransplantation durchgeführt. Insgesamt 15 Patienten konnten anschließend einer Nachuntersuchung unterzogen werden. Es zeigte sich, dass es zur knöchernen Heilung kommen kann, auch wenn keine Knochentransplantation zur Auffüllung des Osteotomiespaltes durchgeführt wurde. Da eine Vorhersage, ob es im konkreten Fall zu einer knöchernen Heilung kommt, nicht möglich, und auf der anderen Seite die Heilungsdauer mit teils mehr als zwölf Monaten zu lang ist, entschieden die Autoren der Studie weiterhin den Osteotomiespalt mit Knochen aufzufüllen.

Bei dem vierten Vortrag, der im Namen von Bert Reichert von seinem Mitarbeiter Dominik Promny gehalten wurde, ging es um bevorzugte Therapieoptionen deutscher Handchirurgen beim Morbus Dupuytren [4]. Dabei wurde untersucht, ob es in einem Zeitraum von zwei Jahren zu einer Änderung der bevorzugten Therapie kam. Die interessante Frage war dabei, ob die Anwendung der Perkutanen Nadelfasziotomie zugenommen hat, da diese Behandlungsmethode von dem Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) als „zweckmäßige Vergleichstherapie“ in Deutschland angesehen wird. Die Ergebnisse der Studie zeigten jedoch, dass die deutschen Handchirurgen die Limitierte Fasziektomie für die Behandlung von Dupuytren Erkrankungen bevorzugen. Die Perkutane Nadelfasziotomie spielt hingegen eine untergeordnete Rolle.

Eva-Maria Baur stellte im letzten Vortrag die Ergebnisse der Untersuchung ob die sonografisch ermittelte Wrist-to-Forearm-Ratio (WFR) des N. Medianus zur Verlaufskontrolle nach Operation eines Karpaltunnelsyndroms (KTS) geeignet ist, dar [5]. Dabei zeigte sich, dass keine eindeutige Korrelation zwischen dem klinischen Verlauf nach Dekompression des Karpaltunnels bei KTS und der sonografisch ermittelten WFR festgestellt werden konnte. Somit kann als Fazit gesagt werden, dass die Sonografie betreffend der WFR eine ungeeignete Methode zur Verlaufskontrolle nach Operation eines Karpaltunnelsyndroms ist.

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Preisträger und Referenten auf dem DGPRÄC in Hamburg. ((Quelle: Sonja Schmid, Thieme))

Die plastisch chirurgische Sitzung fand in diesem Jahr unter dem Vorsitz von Riccardo E. Giunta (München) und Karl-Josef Prommersberger (Bad Neustadt) am 26. September 2019 in Hamburg im Rahmen der DGPRÄC/VDÄPC-Jahrestagung statt.

Der erste Vortrag von Steffen U. Eisenhardt aus Freiburg zur Brustrekonstruktion mit freien TRAM oder DIEP Lappen [6] befasste sich mit der Frage, in wie weit die Brustrekonstruktion mit freiem Gewebetransfer vom Unterbauch als (muskelsparende) TRAM oder DIEP Lappenplastik als ein notwendiger Standard angesehen werden kann, oder ob auch Lappenplastiken mit Muskelanteilen (MS-TRAM) noch als zeitgemäß anzusehen sind. Die Expertengruppe war sich unter anderem zusammenfassend einig, dass der freie MS-TRAM und DIEP dem gestielten TRAM zur Brustrekonstruktion überlegen ist.

Dass multimorbide Patienten mit Dekubitalulzera im deutschen DRG System nicht immer kostendeckend sind, konnte Michael Cerny anhand Analyse von 51 Patienten mit der DRG-Hauptdiagnose Dekubitus Grad III und Grad IV aus 2014 und 2015, nachweisen [7]. Steigt die Anzahl der notwendigen Operationen über 3 oder wird die obere Grenzverweildauer überschritten, ist eine kostendeckende Behandlung nicht realisierbar. Ebenso lassen Komplikationen und multiresistente Keime sich nicht immer vermeiden und damit die Kosten steigen. Als Fazit empfiehlt Michael Cerny die DRGS zu reevaluieren und anzupassen.

Leonard Walle untersuchte 10 Patienten mit 13 freien DIEP-Lappenplastiken zur Brustrekonstruktion mittels Smartphone-basierter Thermografie [8]. Die „hot spots“ der Hautdurchblutung (Perforatoreintritt) wurden präoperativ am Abdomen dargestellt. Die Ergebnisse zeigten, dass die Thermografie bei allen Patienten zuverlässig eingesetzt werden konnte. Die Perfusionsareale konnten verlässlich mit „hot spots“ im Hebeareal dargestellt werden. Die Methode stellte sich als einfach, günstig, schnell und objektiv heraus, sowie belastungsarm für die Patienten. Nachteile weisen unter anderem die fehlenden Angaben über den Gefäßverlauf, Gefäßgröße und Flow auf.

Raymund E. Horch stellte in seinem Vortrag „Biofabrikation – neue Ansätze für den artifiziellen Gewebeersatz“ ein neues Forschungsfeld vor, das die neuesten 3D-Drucktechnologien nutzt [9]. Die Methode zielt darauf ab, verschiedene Zellen, Biomaterialien und Moleküle hierarchisch und räumlich in eine Matrix zu integrieren, um eine gerichtete Reifung von künstlichem Gewebe zu gewährleisten. Die Vorteile des 3D-Bioprintings gegenüber herkömmlichen Tissue Engineering-Techniken basieren auf der Anordnung von Zellen, Biomaterialien und Biomolekülen in einer räumlich kontrollierten Weise zur Reproduktion von nativen Gewebemakro-, Mikro- und Nanoarchitekturen, die nicht nur dazu genutzt werden können, funktionelle Ersatzgewebe oder Organe zu produzieren, sondern auch als neue Modelle für die Grundlagenforschung dienen.

Im abschließenden Vortrag berichtete Adrien Daigeler, unterstützt durch interessantes Videomaterial, über die Vorteile eines Powerdopplers gegenüber herkömmlichen Methoden zur Lokalisation der Gefäße in der Perforatorchirurgie [10]. Die Ergebnisse zeigen eine 100 % ige Detektionsgenauigkeit und eine ebenso 100 % korrekte Darstellung des Gefäßverlaufs. Es trat kein Lappenverlust auf und die Powerdoppler Untersuchungsmethode zeigte sich als nicht invasive, sichere und kostengünstige, aber auch zeitaufwendige und untersucherabhängige Technik.