Z Orthop Unfall
DOI: 10.1055/a-1023-4715
Original Article/Originalarbeit
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Operative Versorgung von zentralen Talusfrakturen: Behandlungsergebnisse von 24 Fällen im mittel- bis langfristigen Verlauf

Article in several languages: English | deutsch
Dominik von Winning
1  Department for Trauma Surgery, Otto-von-Guericke University, Magdeburg Medical Faculty
,
Daniela Adolf
2  Company for Clinical and Healthcare Research mbH, StatConsult, Magdeburg
,
Wiebke Schirrmeister
1  Department for Trauma Surgery, Otto-von-Guericke University, Magdeburg Medical Faculty
,
Stefan Piatek
1  Department for Trauma Surgery, Otto-von-Guericke University, Magdeburg Medical Faculty
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Publication Date:
09 January 2020 (online)

Zusammenfassung

Einleitung Zentrale Talusfrakturen (Hals- und Körperfrakturen) sind selten. Als wesentliche posttraumatische Komplikationen mit potenzieller Minderung der Lebensqualität gelten die Arthrose sowie die Nekrose aufgrund der besonderen Gefäßversorgung. Studienziel war die Evaluation mittelfristiger Ergebnisse nach osteosynthetischer Versorgung einschließlich explorativer Analyse potenzieller Einflussparameter auf die Behandlungsergebnisse.

Material und Methodik 24 Patienten mit 24 operierten zentralen Talusfrakturen (Typ II nach Marti n = 9, Typ III n = 12, Typ IV n = 3) wurden retrospektiv radiologisch und klinisch nachuntersucht. Betrachtet wurden die Einflussgrößen Lebensalter (< 40, ≥ 40 Jahre), Geschlecht (männlich, weiblich), allgemeines Gesamtverletzungsausmaß (Polytrauma/Mehrfachverletzung/multiple Extremitätenfrakturen, weitere Verletzungen am gleichen Fuß, isolierte Talusfraktur), Weichteilschaden (offen, geschlossen), OP-Latenz (< 6, ≥ 6 h) sowie Frakturklassifikation/Dislokation (undisloziert [= Marti II], disloziert [= Marti III, IV]) und die Frakturlokalisation (Körper-, Halsfraktur). Die potenziellen Einflussgrößen wurden mittels univariater Analysen untersucht.

Ergebnisse Das mittlere Follow-up lag bei 8,7 Jahren (1,25 – 16 Jahre). Im Studienkollektiv betrug der AOFAS 71,4 ± 22,9 Punkte, der Fuß-Funktions-Index 35,9 ± 28,3 Punkte; die körperliche Summenskala und psychische Summenskala des Short Form-36 Version 2 lag bei 43,8 ± 10,9 und 47,4 ± 13,6 Punkten (Mittelwert ± Standardabweichung). Somit bewerteten die Patienten ihre körperliche Gesundheit etwas schlechter als der deutsche Durchschnitt, die psychische Komponente dagegen blieb weitestgehend unbeeinträchtigt. Zwei Patienten entwickelten eine partielle Nekrose (8%), 10 Patienten eine Arthrose (42%). Von den Einflussgrößen zeigte einzig das allgemeine Gesamtverletzungsausmaß einen signifikanten Einfluss auf die Arthrose (p = 0,002). In der Gesamtauswertung undislozierter (n = 9) und dislozierter (n = 15) Frakturen ergab die operative Versorgung nach über 6 h kein signifikant schlechteres Outcome.

Schlussfolgerung Die klinischen Ergebnisse nach osteosynthetischer Versorgung sind gut. In unserem Studienkollektiv ergab sich keine signifikante Korrelation zwischen dem Auftreten einer Arthrose und der Frakturklassifikation nach Marti.