Aktuelle Rheumatologie 2020; 45(01): 48-58
DOI: 10.1055/a-1016-1332
Übersichtsarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Angeborene und idiopathische Deformitäten: Immer ein Arthroserisiko?

Congenital and Idiopathic Lower Limb Deformities: Always a Risk for Osteoarthritis?
Gregor Toporowski
1  Abteilung für Kinderorthopädie, Deformitätenrekonstruktion und Fußchirurgie, Münster, Universitätsklinikum Münster
,
Robert Rödl
1  Abteilung für Kinderorthopädie, Deformitätenrekonstruktion und Fußchirurgie, Münster, Universitätsklinikum Münster
,
Georg Gosheger
2  Klinik für Allgemeine Orthopädie und Tumororthopädie, Universitätsklinikum Münster, Münster
,
Björn Vogt
1  Abteilung für Kinderorthopädie, Deformitätenrekonstruktion und Fußchirurgie, Münster, Universitätsklinikum Münster
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Publication Date:
03 December 2019 (online)

Zusammenfassung

Arthrotische Gelenkveränderungen weisen eine Vielzahl an Ursachen auf. Ist eine eindeutige Zuordnung nicht möglich, spricht man von primären Arthrosen, hingegen kann die Entwicklung sekundärer Arthrosen auf konkrete Risikofaktoren zurückgeführt werden. Einen Großteil davon bilden angeborene und idiopathische Fehlstellungen, die auch als präarthrotische Deformitäten bezeichnet werden. Eine sekundäre Arthrose manifestiert sich in der Regel bereits in deutlich jüngerem Lebensalter als ein primärer Gelenkverschleiß, gerade deshalb ist die rechtzeitige Diagnosestellung von entscheidender Bedeutung. Angeborene und idiopathische Deformitäten bleiben meist lange asymptomatisch, was die Diagnostik deutlich erschwert. In den letzten Jahren hat die Früherkennung häufiger Deformitäten jedoch stark an Bedeutung gewonnen, wie man am Beispiel der Sonografie zur Beurteilung der Hüftreifung im Rahmen der kindlichen Vorsorgeuntersuchung erkennen kann. Je nach Art der Deformität ist sowohl eine konservative, als auch eine operative Therapie möglich. Dabei spielt der richtige Zeitpunkt für den Therapiebeginn eine wichtige Rolle, denn sowohl ein Abwarten des Spontanverlaufs wie bei auffälligen frontalen Beinachsen, aber auch eine sofortige Behandlung wie bei der Hüftdysplasie können lege artis sein. Zu den häufigsten operativen Maßnahmen zählen die Wachstumslenkung und die Umstellungsosteotomie. Ziel der Therapie ist die Reduktion des Arthroserisikos auf das der Durchschnittsbevölkerung durch Wiederherstellung anatomisch und biomechanisch korrekter Stellungsverhältnisse. Folglich handelt es sich bei der Behandlung von präarthrotischen Deformitäten um präventive, gelenkerhaltende Maßnahmen, die in der Regel schonender und komplikationsärmer sind, als ein späterer endoprothetischer Gelenkersatz. Die Gefahr eines verspäteten Behandlungsbeginns ist die Notwendigkeit (aufwendigerer) operativer Interventionen.

Abstract

Osteoarthritis (OA) is the most common joint disease and can be caused by numerous conditions. A large percentage of secondary OA cases is induced by congenital and idiopathic deformities of the lower limbs, which are often asymptomatic on clinical examination. As secondary OA usually occurs at a younger age than primary OA, early diagnostic investigation and treatment are crucial. Depending on the type and severity of lower limb deformities, conservative and surgical treatment can be considered. Monitoring the natural course of a condition or starting early treatment can both be the correct treatment option. The purpose of treatment is to reduce the risk of OA to that of the average population by restoring the anatomically and biomechanically correct position. Consequently, the treatment of lower limb deformities consists in preventive, joint-preserving interventions and is usually less invasive and associated with fewer complications than endoprosthetic joint replacement performed at a later point in time. Depending on the residual growth, a delayed start of treatment may be associated with a (more complex) surgical intervention.