Rofo 2020; 192(03): 235-245
DOI: 10.1055/a-1015-6869
Review
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Radiologisches Monitoring von modernen Immuntherapien: Neue Herausforderung für die interdisziplinäre Zusammenarbeit

Article in several languages: English | deutsch
Simon Lennartz
1  University of Cologne, Faculty of Medicine and University-Hospital Cologne, Department of Diagnostic and Interventional Radiology
2  Else-Kröner-Forschungskolleg Clonal Evolution in Cancer, University-Hospital Cologne, Cologne, Germany
,
Stefan Diederich
3  Department of Radiology, Marien-Hospital Düsseldorf, Düsseldorf, Germany
,
Christian Doehn
4  Urologikum Lübeck, Lübeck, Germany
,
Bernhard Gebauer
5  Department of Radiology, Charité-Universitätsmedizin Berlin, Campus Virchow-Klinikum, Berlin, Germany
,
Viktor Grünwald
6  Clinic for Internal Medicine (Tumor Research) and Clinic for Urology, University-Hospital Essen, Essen, Germany
,
Mike Notohamiprodjo
7  Department of Diagnostic and Interventional Radiology, University-Hospital of Tübingen, Tübingen, Germany
8  Die Radiologie, Munich, Germany
,
Wieland Sommer
9  Department of Radiology, LMU-University-Hospital, Munich, Germany
9  Department of Radiology, LMU-University-Hospital, Munich, Germany
,
Heinz-Peter Schlemmer
11  Department of Radiology, German Cancer Research Center (DKFZ), Heidelberg, Germany.
,
Thorsten Persigehl
1  University of Cologne, Faculty of Medicine and University-Hospital Cologne, Department of Diagnostic and Interventional Radiology
› Author Affiliations
Further Information

Publication History

30 April 2019

19 August 2019

Publication Date:
28 January 2020 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund Immuntherapeutika stellen einen wirkungsvollen Therapieansatz für viele vormals schwer therapeutisch zugängliche Tumorentitäten dar. Durch atypische Therapieansprechmuster in Form von Pseudoprogressionen oder Mixed Response sowie ein verändertes Nebenwirkungsspektrum stellen sie die onkologische Bildgebung vor neue Herausforderungen. Dedizierte Kenntnisse hierüber sind für onkologisch tätige Radiologen essenziell, da der radiologische Befund einen wichtigen klinischen Parameter zur Response-Beurteilung darstellt, was wiederum maßgeblich zur Entscheidung über Therapiefortführung und ggf. Kostenübernahme durch die Krankenkassen beiträgt.

Methode Dieses White-Paper basiert auf einem Experten-Meeting in Frankfurt am Main sowie anschließenden Beratungen unter den Autoren und soll auf Grundlage der iRECIST Kriterien eine Orientierung zur in der klinischen Routine praktisch umsetzbaren Response-Beurteilung für onkologische Patienten unter Immuntherapie vermitteln.

Ergebnisse Das radiologische Therapiemonitoring außerhalb von Studien unterliegt inhärenten Limitationen, sollte jedoch nach Meinung des Expertengremiums dennoch in Anlehnung an die iRECIST-Kriterien erfolgen. Hierbei sollte bedacht werden, dass es unter Immuntherapeutika prinzipiell zu Pseudoprogressionen und autoimmunologischen Nebenwirkungen kommen kann. Da die radiologische Bildgebung im Verlauf bis dato die einzige Methode ist, um einen echten Progress von einem Pseudoprogress zu unterscheiden, sollte bei klinisch stabilen Patienten mit einem Progress unter Immuntherapie eine kurzfristige Verlaufskontrolle in Orientierung an der bestehenden Verdachtsdiagnose erfolgen; die Biopsie zur Differenzierung sollte zurückhaltend und vor allem im kurativen Setting genutzt werden.

Schlussfolgerung Für die Response-Beurteilung im Studiensetting wurden 2017 die neuen iRECIST-Kriterien für Immuntherapien publiziert. Außerhalb von Studien ist die Verwendung von iRECIST in der klinischen Routinebefundung nur mit Limitationen möglich. Die in iRECIST implizierten Empfehlungen können jedoch in Zusammenschau mit der aktuellen Literatur als Richtschnur in der klinischen Praxis und außerhalb von Studien dienen.

Kernaussagen:

  • Unter den neuen Immuntherapien kann es zu Pseudoprogressionen kommen.

  • Diese sind verglichen mit echten Krankheitsprogressionen selten, können jedoch den Therapieverlauf beeinflussen.

  • Kurzfristige Verlaufskontrollen in Anlehnung an iRECIST können helfen, Pseudoprogress und echten Progress unterscheiden.

  • Daher sollte die radiologische Response-Beurteilung außerhalb klinischer Studien in Anlehnung an iRECIST erfolgen.

Zitierweise

  • Lennartz S, Diederich S, Doehn C et al. Radiological Monitoring of Modern Immunotherapy: A Novel Challenge for Interdisciplinary Patient Care. Fortschr Röntgenstr 2020; 192: 235 – 245