Z Orthop Unfall
DOI: 10.1055/a-1014-3703
Review/Übersicht
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Operative Rekonstruktionsmöglichkeiten chronisch distaler Bizepssehnenrupturen – Fallbeispiel und Literaturrecherche

Article in several languages: English | deutsch
Hans-Joachim Riesner
1  Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie, Rekonstruktive und Septische Chirurgie, Sporttraumatologie, Bundeswehrkrankenhaus Ulm
,
Carsten Hackenbroch
2  Klinik für Radiologie und Neuroradiologie, Bundeswehrkrankenhaus Ulm
,
Patricia Lang
1  Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie, Rekonstruktive und Septische Chirurgie, Sporttraumatologie, Bundeswehrkrankenhaus Ulm
,
Gerhard Achatz
1  Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie, Rekonstruktive und Septische Chirurgie, Sporttraumatologie, Bundeswehrkrankenhaus Ulm
,
Hans-Georg Palm
1  Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie, Rekonstruktive und Septische Chirurgie, Sporttraumatologie, Bundeswehrkrankenhaus Ulm
,
Benedikt Friemert
1  Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie, Rekonstruktive und Septische Chirurgie, Sporttraumatologie, Bundeswehrkrankenhaus Ulm
› Author Affiliations
Further Information

Publication History

Publication Date:
04 November 2019 (online)

Zusammenfassung

Einleitung Die chronische distale Bizepssehnenruptur ist immer noch eine Rarität, bei der konservative wie operative Behandlungsoptionen Anwendung finden. In der Literatur ist man sich einig, dass bei akut traumatischen Rupturen aufgrund des besseren funktionellen Outcomes der operativen Refixation Vorzug zu geben ist. Uneinigkeit herrscht vor allem hinsichtlich operativer Versorgungsoptionen veralteter (> 4 Wochen) Rupturen der distalen Bizepssehne. Beschrieben werden in der Literatur verschiedenste Refixationsmöglichkeiten bis hin zu diversen überbrückenden Sehnenplastiken. Ziel dieser Arbeit ist es, einen Überblick über die in der Literatur anerkannten Methoden zur Rekonstruktion der distalen Bizepssehne unter Verwendung autologer und allogener Transplantate zu geben, deren Outcome zu vergleichen und die Erkenntnisse auf einen aktuellen eigenen Fall zu übertragen.

Material und Methoden Es erfolgte eine Literaturrecherche mithilfe der medizinischen Onlinedatenbank „PubMed“. Nach englischer Eingabe der Suchbegriffe „chronic rupture distal biceps tendon, surgical techniques“ wurden 59 Literaturstellen gefunden (1990 – 2019). Für die Thematik der Rekonstruktion chronisch distaler Bizepssehnenrupturen konnten sodann 37 Publikationen im Volltext ausgewählt und für die aktuelle Veröffentlichung berücksichtigt werden.

Ergebnisse Konsens besteht darin, dass auch bei chronischen Rupturen die operative Versorgung der distalen Bizepssehne die besten Ergebnisse erbringt. Durchweg finden sich jedoch nur kleine Patientenkollektive, über deren Ergebnisse und Erfahrungen berichtet wird. Zahlreiche Operationstechniken werden berichtet, ohne dass sich eine den anderen überlegen zeigt. Dabei werden Re-Insertionen der Sehnenstümpfe mittels verschiedener Transplantattechniken berichtet: Anwendung finden Achillessehnen-, Palmaris-longus-, Fascia-lata-, Trizepssehnen-, Quadrizepssehnen- und Semitendinosussehnentransplantate. Allen gemein ist, dass postoperativ sehr zufriedenstellende Funktionen und nahezu altes Kraftpotenzial erzielt werden konnte.

Schlussfolgerung Durch die operative Versorgung chronisch rupturierter distaler Bizepssehnen können mittels primärer Refixation des Sehnenstumpfes wie aber auch durch Transplantataugmentation gleichwertige Ergebnisse erzielt werden. Im Falle notwendiger Transplantataugmentation sind zahlreiche Gewebeoptionen obligat, die im Rahmen kleiner Fallzahlen durchweg gute funktionelle Ergebnisse erwarten lassen.