Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-1005-7262
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Zur Situation der angestellten Ärztinnen und Ärzte im ambulanten Sektor in Deutschland: Ergebnisse einer empirischen Studie

The Situation of Employed Doctors in Outpatient Care in Germany: Results of an Empirical Study
Sebastian Dräger
1  Universität Trier, Fachbereich IV, Professur für empirische Sozialforschung und Methodenlehre
,
Bernhard Gibis
2  Kassenärztliche Bundesvereinigung KdöR, Dezernat Versorgungsmanagement, Berlin
,
Rüdiger Jacob
1  Universität Trier, Fachbereich IV, Professur für empirische Sozialforschung und Methodenlehre
,
Johannes Kopp
1  Universität Trier, Fachbereich IV, Professur für empirische Sozialforschung und Methodenlehre
,
Branko Trebar
2  Kassenärztliche Bundesvereinigung KdöR, Dezernat Versorgungsmanagement, Berlin
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Publication History

Publication Date:
09 October 2019 (online)

Zusammenfassung

Zielsetzung Über die aktuell immer größer werdende Gruppe angestellter Ärztinnen und Ärzte im ambulanten Sektor liegen derzeit nur wenige gesicherte Befunde vor. Daher sollen hier einige Ergebnisse einer bundesweiten quantitativen Befragung von Personen dieser Berufsgruppe dargestellt und diskutiert werden.

Methode Bei der Studie handelt es sich um eine standardisierte quantitative Befragung von angestellten Ärztinnen und Ärzten im ambulanten Sektor. Da die angestrebte Grundgesamtheit eine disproportional geschichtete Stichprobe aus den Datenbanken der Kassenärztlichen Vereinigungen der Bundesländer darstellte und insgesamt 10 580 Ärztinnen und Ärzte angeschrieben wurden, beträgt die Responsequote 21,8%. Das Stichprobendesign erlaubt es nicht nur deskriptive Analysen für kleine Subpopulationen durchzuführen, sondern auch regionale Disparitäten in den Blick zu nehmen.

Ergebnisse Es lässt sich zeigen, dass es sich v. a. um junge Ärztinnen handelt, die eine Anstellung im ambulanten Sektor aufnehmen. 59% der angestellten Ärztinnen und Ärzte arbeiten in Teilzeit, die durchschnittliche Wochenarbeitszeit beträgt 28,9 Stunden. Eine durchschnittliche Praxis beschäftigt insgesamt 4 Ärzte oder Ärztinnen und es werden im Mittel (Median) circa 30 Personen am Tag behandelt.

Schlussfolgerung Ein wichtiger Grund für das stetige Wachstum dieser Berufsgruppe ist womöglich die Flexibilität der Arbeitszeitgestaltung und die Möglichkeit zur Teilzeitarbeit, welche sich wiederum positiv auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf auswirken. Nicht zuletzt scheint diese Berufsgruppe auch deshalb überwiegend aus jungen Ärztinnen zu bestehen. Oftmals stellt die Angestelltentätigkeit aber auch ein Übergangsmodell hin zu einer Niederlassung oder – für ehemalige Praxisinhaber – in den Ruhestand dar. Generell scheint die Angestelltentätigkeit in der Ambulanten Versorgung allerdings für viele das angestrebte „Normalarbeitsmodell“ zu sein.

Abstract

Aim At present, there are only a few reliable findings on the ever-increasing number of doctors employed in outpatient care. Therefore, some results of a nationwide quantitative survey of persons in this occupational group will be presented and discussed here.

Method The study is a standardized quantitative survey of physicians employed in the outpatient sector. The target population is represented by a disproportionately stratified sample from the databases of the Association of Statutory Health Insurance Physicians of the federal states. A total of 10,580 doctors were contacted and the response rate was 21.8%. The sample design not only allows descriptive analyses for small subpopulations to be carried out but also regional disparities to be taken into account.

Results It can be shown that mainly young female doctors take up employment in the outpatient sector. 59% of doctors work part-time, the average weekly working time is 28.9 h. A medical office employs about 4 doctors and on average (median) about 30 people are treated per day.

Conclusion An important reason for the steady growth of this occupational group may be the flexibility of working hours and the possibility of part-time work, which in turn has a positive effect on the compatibility of family and career. Finally, yet importantly, this could be the reason why this occupational group seems to consist predominantly of young female doctors. Often, however, this kind of employment also represents a transitional model towards a private practice or – for former practice owners – into retirement. In general, however, being employed in outpatient care seems to be the desired “normal working model” for many doctors.