CC BY-NC-ND 4.0 · Geburtshilfe Frauenheilkd 2020; 80(03): 316-323
DOI: 10.1055/a-0991-0105
GebFra Science
Original Article/Originalarbeit
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Vergleich der klinischen Symptomatik eines vermuteten vs. eines tatsächlichen Uterus myomatosus – Symptomangaben der Patientin und Ultraschallbefund

Article in several languages: English | deutsch
Nina Isabelle Knudsen
1  Charité Universitätsmedizin Berlin, Campus Virchow Klinikum, Klinik für Gynäkologie, Berlin, Germany
,
Klaus-D. Wernecke
2  SOSTANA GmbH, Berlin, Germany
,
Heribert Kentenich
3  Fertility Center Berlin, Berlin, Germany
,
Matthias David
1  Charité Universitätsmedizin Berlin, Campus Virchow Klinikum, Klinik für Gynäkologie, Berlin, Germany
› Author Affiliations
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Publication History

received 12 February 2019
revised 02 August 2019

accepted 02 August 2019

Publication Date:
30 October 2019 (online)

  

Zusammenfassung

Fragestellung Wie viele Frauen nehmen Myome bei sich an, haben aber im Ergebnis der ärztlich-sonografischen Untersuchung keine Myome? In welcher Stärke treten Beschwerden bei diesen Frauen im Vergleich zu Myompatientinnen trotzdem auf? Sind diese Beschwerden stärker ausgeprägt, wenn die Patientin glaubte, dass sie mindestens ein relativ großes (dominantes) Myom oder über 3 Myome hat?

Material und Methodik 1548 Patientinnen beantworteten einen anonymen Fragebogen mit Angabe ihrer Myomanzahl, Dysmenorrhö und prämenstruellen Beschwerden, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr sowie Blutungsstörungen (numerische Analogskala 0 – 10) in einer Klinik-Myomsprechstunde. Anschließend erfolgte eine Gegenüberstellung der Patientinnenangaben mit dem transvaginalen bzw. ggf. abdominellen Ultraschallbefund. Die Beschwerdeangaben von Frauen mit und ohne Myom(en) wurden verglichen.

Ergebnisse 1045 von 1548 Patientinnen entsprachen den Einschlusskriterien. Bei 6% (62 der 1045 Patientinnen) ließ sich entgegen ihren Angaben in der durchgeführten sonografischen Untersuchung kein Myom feststellen. Von diesen Frauen hatten 87% Dysmenorrhö, 79% prämenstruelle Schmerzen und 57% Dyspareunie. Die Beschwerdeausprägung zeigte keinen Zusammenhang mit der angenommenen Myomgröße oder -anzahl. Es zeigte sich kein signifikanter Unterschied in den Schmerzangaben von den befragten Frauen ohne und mit Myom(en). Die Angabe von starkem Druckgefühl auf die Blase (OR 1,18) oder im Unterbauch (OR 1,12) bzw. Obstipation (OR 1,16) erhöhten die Wahrscheinlichkeit, dass sonografisch ein Myom nachgewiesen werden konnte.

Schlussfolgerungen Durch die Symptomausprägung (Dysmenorrhö, Dyspareunie, prämenstruelle Schmerzen, Blutungsstörungen) kann nicht auf die Anzahl oder die Größe von Myomen geschlossen oder eine Therapie abgeleitet werden. Bereits die Fehlannahme von Myomen kann bei Patientinnen zu Symptomen führen.