JC AINS 2019; 08(04): 231-233
DOI: 10.1055/a-0990-3881
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Intraoperative Opioidtherapie? – Müssen wir umdenken?

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Publication Date:
09 December 2019 (online)

Die perioperative Gabe eines Opioids ist ein wichtiger Bestandteil des 3 Säulen Prinzips (Analgetikum, Anästhetikum, nichtdepolarisierendes Muskelrelaxans) jeder modernen balancierten Anästhesie. Hierdurch wird sowohl die intraoperative als auch die präventive intra- und postoperative Analgesie sichergestellt. Dabei basiert die intraoperative Titration eines Opioids auf der Veränderung von physiologisch messbaren Faktoren und Surrogatfaktoren, wie z. B. der Reaktion des sympathischen Nervensystems auf einen chirurgischen Stimulus. Die Hypothese der Reduktion neuronaler Exzitation auf spinaler Ebene wird zwar in der Literatur beschrieben, ist aber in zahlreichen Publikationen umstritten und wird kontrovers diskutiert.

Fazit

Das Ergebnis ist schockierend und faszinierend zugleich: Die Autoren folgern, dass die intraoperative Opioidgabe kritisch hinterfragt werden sollte und ggf. der Verzicht keinen Nachteil für die postoperative Schmerztherapie darstellt. Dabei steigt der Patientenkomfort durch deutliche Reduktion der PONV-Inzidenz.
Ich frage mich aber immer noch, wie die Durchführung der einzelnen Studien von den jeweiligen Ethikkomissionen genehmigt wurde; es widerspricht doch dem etablierten 3 Säulen Konzept einer modernen balancierten Anästhesie.
Die Wahrheit liegt wie immer im Detail. Wir sollten als Anästhesisten umdenken und alternative Analgesiekonzepte (Nichtopoidanalgetika/Regionalanästhesie/Wundinfiltrationen) für unsere Patienten stärker favorisieren und weiterentwickeln.