Neurologie up2date 2020; 03(02): 155-173
DOI: 10.1055/a-0966-0974
Neurorehabilitation

Neurogene Störungen der Sprache und des Sprechens

Annette Baumgärtner
,
Anja Staiger

Neurologische Erkrankungen können zu Störungen der Kommunikationsfähigkeit führen. In diesem Beitrag werden Grundlagen zu den neurogenen Störungen der Sprache (Aphasien) und des Sprechens (Sprechapraxie, Dysarthrie) vermittelt und Möglichkeiten zur Diagnostik und Behandlung aufgezeigt.

Kernaussagen
  • Aphasie, Sprechapraxie und Dysarthrie stellen eigenständige klinische Entitäten dar. Ihre Unterscheidung ist zentral für die Wahl des Behandlungsansatzes.

  • Aphasien sind nicht Denk-, sondern Sprachstörungen. Sie können sowohl die mündliche als auch die schriftliche Kommunikationsfähigkeit beeinträchtigen und zu weitreichenden Einschränkungen in Selbständigkeit und Teilhabe führen.

  • In der Testung auf Aphasie sollten immer auch rezeptive sprachliche Leistungen überprüft werden.

  • Sprachtherapie bei Aphasie ist auch jenseits von 1 Jahr Krankheitsdauer nachweislich wirksam.

  • Weder Alter noch Krankheitsdauer haben einen Einfluss auf das Verbesserungspotenzial bei vaskulär bedingter chronischer Aphasie.

  • Wirksamkeitsnachweise liegen insbesondere für intensive Therapieansätze bei Aphasie vor.

  • Dysarthrien stellen die häufigste Form neurogener Kommunikationsstörungen dar.

  • Indem sie die Verständlichkeit, die Natürlichkeit und die kommunikative Effizienz beim Sprechen reduzieren, können Sprechapraxie und Dysarthrie zu Beeinträchtigungen der Kommunikationsfähigkeit und zu Einschränkungen der sozialen Teilhabe führen.

  • Auditive, von Sprachtherapeuten durchgeführte Analyseverfahren bilden den Goldstandard in der Diagnostik neurogener Sprechstörungen. Eine Ergänzung durch kommunikationsorientierte Messverfahren sowie durch objektive, insbesondere akustische Analysen kann sinnvoll sein.

  • Es existieren zahlreiche etablierte Therapieansätze für Dysarthrie und Sprechapraxie. Für die meisten Verfahren stehen Wirksamkeitsbelege durch randomisierte kontrollierte Studien mit großen Fallzahlen jedoch noch aus.



Publication History

Publication Date:
13 May 2020 (online)

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