Aktuel Urol 2019; 50(06): 553-554
DOI: 10.1055/a-0963-6187
Editorial
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Prostatakarzinom und Nierenzellkarzinom

Axel S. Merseburger
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Publication Date:
26 November 2019 (online)

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Prof. Dr. Axel S.Merseburger

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

es ist mir eine Freude, dass ich Ihnen das in Ihrer Hand liegende Schwerpunktheft mit dem Jubiläumsthema: „50 Jahre Minimal-invasive Chirurgie in der Urologie“ vorstellen darf.

Herr Rassweiler und sein Team berichten eindrucksvoll über die Entwicklungen der minimal-invasiven urologischen Chirurgie mit historischen Rückblicken und Vorausschau in die Zukunft.

Das Schwerpunkthema Nierenzell- und Prostatakarzinom wird beginnend mit einem Artikel von Herrn Krüger aus Magdeburg zu Therapieempfehlungen zur systemischen Therapie des metastasierten Nierenzellkarzinoms 2019 eingeleitet. In der Arbeit werden die aktuellen Therapiealgorithmen nach derzeitigem Zulassungsstatus zusammengefasst. Vor dem Hintergrund der rasanten Entwicklungen und Neuzulassungen im Bereich des fortgeschrittenen Nierenzellkarzinoms ist der Artikel trotz der Aktualität bereits ergänzungswürdig, da die EMA und nachfolgend die Deutschen Zulassungsbehörden mittlerweile die Kombination Axitinib und Pembrolizumab in der Erstlinie Therapie des metastasierten Nierenzellkarzinom zugelassen haben. Dieses unterstreicht die Notwendigkeit der Fort- und Weiterbildung in diesem Bereich.

Zum Thema Prostatakarzinom berichtet die Arbeitsgruppe von Frau Hupe in Kooperation mit dem Institut für Pathologie aus Lübeck über den status quo seit Einführung der neuen ISUP 2014/WHO 2016-Klassifikation zur Risikoeinschätzung des Prostatakarzinoms.

Mit der neuen WHO-Klassifizierung wurde das Ziel gefasst, eine präzisere und vereinfachte Risikostratefizierung von Patienten mit einem Prostatakarzinom zu erreichen, um eine Übertherapie indolenter Prostatakarzinome zu reduzieren und die Patientenkommunikation zu verbessern. Dieses wurde erreicht.

In der Arbeit von Herrn Maxeiner und Kollegen aus Berlin wird die klinische Relevanz von lymphatischen Mikrometastasen in Bezug auf die Entwicklung eines biochemischen Rezidivs bei Patienten nach radikaler Prostatektomie und pelviner Lymphadenektomie untersucht. Diesbezüglich wurde die erweiterte Diagnostik mittels Immunhistochemie evaluiert. Durch die Erweiterung mittels Immunhistochemie konnten noch einmal 8,8 % an positiven Lymphknoten gefunden werden und somit auch eine prognostische Relevanz nachgewiesen werden. Die Immunhistochemie scheint, laut Aussagen der Autoren, von einem hohen diagnostischen Wert in der Detektion von Mikrometastasen bei initial nodal-negativem Prostatakarzinompatienten zu sein und sollte bei klinischem Verdacht und nodal-negativem Befund erwogen werden.

Abgerundet wird die Ausgabe und der Schwerpunkt Prostatakarzinom mit einem exzellenten Beitrag aus der Feder von Herrn Miller zur Abirateron-Therapie mit neu diagnostiziertem hochrisiko metastasiertem hormonsensitiven Prostatakarzinom (mHSPC). Nach Publikation der Latitude- und Stampede-Studien zum Einsatz von Abirateron in dieser Indikation werden hier die Daten in kompakter Weise zusammengefasst und in Relation zu Therapiealternativen wie einer taxanhaltigen Chemotherapie gesetzt.

Ich hoffe, dass wir mit dem oben genannten Jubiläumsthema sowie dem Schwerpunkt und Ausblick zum Nierenzell- und Prostatakarzinom Beiträge Ihres Interesses zusammengestellt haben.

Mit herbstlichen Grüßen
aus der Hansestadt Lübeck
Axel S. Merseburger