ZWR - Das Deutsche Zahnärzteblatt 2020; 129(01/02): 21-32
DOI: 10.1055/a-0962-6686
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Was ist neu an der neuen Klassifikation der parodontalen und periimplantären Erkrankungen und Zustände?

Beke Schütz
,
Pia-Merete Jervøe-Storm
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Publication Date:
21 February 2020 (online)

Im November 2017 fand in Chicago, Illinois, USA, der gemeinsame „World Workshop on the Classification of Periodontal and Peri-Implant Diseases and Conditions“ der American Academy of Periodontology (AAP) und der European Federation of Periodontology (EFP) statt. Hier wurde eine neue Klassifikation der parodontalen und periimplantären Erkrankungen und Zustände erarbeitet. Durch die Anwendung der neuen Einteilung wird dem Behandler noch bewusster, dass Parodontitis eine chronische Erkrankung ist. Einige Risikofaktoren werden mit zur Diagnosestellung herangezogen und es wird verdeutlicht, dass ein interdisziplinärer Austausch in manchen Fällen zu empfehlen ist.

Kernaussagen
  • Als gingivale Gesundheit ist ein Zustand mit unter 10% Blutung auf Sondieren zu bezeichnen.

  • Gingivale Gesundheit kann sowohl bei einem Patienten mit intaktem Parodont, einem Patienten mit reduziertem Parodont als auch bei einem stabilen Parodontitispatienten vorgefunden werden.

  • Bei Patienten mit Vorgeschichte einer Parodontitis wird bei Erkrankung der Gingiva nicht der Begriff „Gingivitis“, sondern „gingivale Entzündung“ verwendet.

  • Eine Parodontitis wird beschrieben durch die Zuordnung eines Stadiums (Schwere und Komplexität der Erkrankung) und eines Erkrankungsgrads (biologische Merkmale, Progression und zukünftiges Risiko).

  • Die Parodontitis bei Patienten mit Diabetes ist keine eigenständige Erkrankung. Ebenso wie bei Parodontitis bei Rauchern gibt es keine speziell zutreffenden phänotypischen Besonderheiten.

  • Zur Beschreibung einer Rezession wird nun die Klassifikation nach Cairo et al. [9] verwendet. Diese nimmt Bezug auf den interdentalen klinischen Attachmentverlust. Für die Beschreibung einer Rezession ist es nun auch wichtig, den gingivalen Phänotyp und die Beschaffenheit der freigelegten Wurzeloberfläche zu beschreiben.

  • Der Begriff „biologische Breite“ wird nun ersetzt durch „suprakrestales Attachment“.

  • Die Sondierungstiefen bei einem Implantat weisen nicht unbedingt auf einen pathologischen Zustand hin. Das Vorliegen einer Blutung oder Eiterung bei sanfter Sondierung zeigt eine Entzündung an. Das Röntgenbild zum ausgeheilten initialen Zustand mit Suprakonstruktion ist wichtig für die Beurteilung des Knochenabbaus.