Diabetes aktuell 2019; 17(06): 230-234
DOI: 10.1055/a-0959-5423
Schwerpunkt
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Pankreopriver Diabetes mellitus

Risikofaktoren und Diagnostik
Erhard Siegel
1  St. Josefskrankenhaus Heidelberg
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Publication Date:
29 October 2019 (online)

ZUSAMMENFASSUNG

Im Alltag wird der pankreoprive Diabetes (Typ-3c-Diabetes) unterschätzt und oft als Typ-2-Diabetes fehldiagnostiziert. In Anbetracht der unterschiedlichen Verlaufsform und damit einhergehenden therapeutischen Möglichkeiten beim pankreopriven Diabetes im Vergleich zu einem Typ-2-Diabetes ist eine korrekte Diagnosestellung von großer Bedeutung. Die Therapie einer potenziell vorliegenden exokrinen Pankreasinsuffizienz bessert beispielsweise meist auch die endokrine Pankreasfunktion. Nach einer akuten und chronischen Pankreatitis besteht ein signifikantes Risiko, eine endo- und/ oder exokrine Pankreasinsuffizienz zu entwickeln. Ein Diabetes mellitus ist zudem mit einem erhöhten Risiko für ein Pankreaskarzinom assoziiert, wobei die Frage der Kausalität bislang nicht geklärt werden konnte. Ein neu aufgetretener Diabetes mit hoher Insulinresistenz vor allem im mittleren Lebensalter definiert eine Hochrisikogruppe für Pankreaskarzinome. Die häufigste Komorbidität der zystischen Fibrose ist eine exokrine und endokrine Pankreasinsuffizienz mit der Entwicklung eines Diabetes, sodass auch deren Organkomplikation durch das Erreichen eines immer höheren Lebensalters behandelt werden müssen. Um das Ziel einer stabilen Stoffwechsellage zu erreichen, müssen Enzymsubstitution, Blutzuckerselbstkontrolle, die Berechnung kohlenhydrathaltiger Lebensmittel und die oralen Antidiabetika bzw. Insulingabe optimal aufeinander abgestimmt werden.