PSYCH up2date 2020; 14(05): 419-432
DOI: 10.1055/a-0956-5556
Essstörungen, somatische Belastungsstörungen, Schlafstörungen und sexuelle Funktionsstörungen

Psychotherapie der Schlafstörungen

Klaus Junghanns

Schlafstörungen treten im Verlauf des Alterns vermehrt auf und neigen zur Chronifizierung. Mithilfe der Kognitiven Verhaltenstherapie der Insomnie (CBT-I) lassen sich nichtorganische Schlafstörungen in ihrer Entstehung und Aufrechterhaltung besser verstehen und mit gezielten Interventionen mildern oder beseitigen. Es ist oft die bessere Alternative zur langzeitigen Verschreibung von Schlafmitteln.

Kernaussagen
  • Schlafstörungen ohne organische Ursache lassen sich unterteilen in Einschlaf- und/oder Durchschlafstörungen mit oft zu frühem Erwachen, die den Betroffenen unerholt und übermüdet in den Tag starten lassen.

  • Sie müssen abgegrenzt werden von Schlafbeeinträchtigungen durch organische Ursachen wie etwa Herzinsuffizienzen, chronisch-obstruktiven Lungenerkrankungen, ein obstruktives oder zentrales Schlafapnoe-Syndrom, ein Syndrom der Unruhigen Beine (Restless-Legs-Syndrom), eine Narkolepsie oder von den Parasomnien.

  • Mit der Chronifizierung der Beschwerden gewinnen die aufrechterhaltenden Bedingungen der Insomnien gegenüber den Entstehungsbedingungen die Überhand.

  • Die Kognitive Verhaltenstherapie der Insomnie (CBT-I) bietet ein gutes Störungsmodell und erfolgreich erprobte Interventionen zur Verbesserung der Störung.

  • Kernelemente der Therapie sind Psychoedukation, schlafhygienische Maßnahmen, der Einsatz von Entspannungsverfahren, Stimuluskontrolle, Schlafrestriktion und die Bearbeitung dysfunktionaler Kognitionen zum Schlaf.

  • Trotz des erfolgreichen Einsatzes der CBT-I wird sie gegenüber medikamentösen Maßnahmen viel zu selten eingesetzt. Gerade die Nebenwirkungen, das Suchtpotenzial mancher Schlafmittel und der häufige Wirkverlust der Medikationen beim langfristigen Gebrauch sollten Anlass sein, die Anwendung der CBT-I zu steigern.



Publication History

Article published online:
15 September 2020

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