Zs.f.Orthomol.Med. 2019; 17(02): 4
DOI: 10.1055/a-0941-6716
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L-Citrullin verbessert Bioverfügbarkeit an L-Arginin

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Publication Date:
19 July 2019 (online)

Bekanntlich ist eine unzureichende Bioverfügbarkeit an Stickstoffmonoxid (NO) an der Entwicklung und Progression einer Vielzahl von chronisch-degenerativen Erkrankungen (z. B. Arteriosklerose, Hypertonie) beteiligt. NO ist einer der kleinsten im Organismus bekannten Neurotransmitter, der sich v. a. durch seine vasodilatatorische und endothelprotektive Wirkung auszeichnet. Das im NO-Zyklus aus dem NO-Präkursor L-Arginin über die endotheliale NO-Synthase (eNOS) freigesetzte NO diffundiert aus dem Endothel in die glatte Gefäßmuskulatur und aktiviert dort sein Zielenzym, die lösliche Guanylatcyclase. Dies führt zur Reduktion der Kalziumaktivität in der Gefäßwand und damit durch das Nachlassen des Gefäßtonus zur Vasodilatation.

NO reguliert darüber den Blutdruck, erweitert die Blutgefäße, verbessert die Sauerstoffversorgung der kleinen Gefäße und erleichtert damit die Herzmuskelleistung. Dem Verklumpen von Blutplättchen und der Bildung von Gefäßablagerungen wirkt NO entgegen. Es beugt hierüber der Entstehung von arteriosklerotischen Erkrankungen vor und trägt somit wesentlich zu Gesundheit von Herz und Kreislauf bei. Demgegenüber spielt bei der Entstehung von Gefäßerkrankungen ein erhöhter Verbrauch an L-Arginin und eine abnehmende Verfügbarkeit des natürlichen gasförmigen Signalmoleküls NO eine zentrale pathophysiologische Rolle. Lebensstil- und Umweltfaktoren, die den Bedarf an L-Arginin steigern, sind z. B. Adipositas, Fehlernährung, Rauchen, Leistungssport, Stress, Schwangerschaft sowie Erkrankungen wie Arteriosklerose, Diabetes mellitus, Hypertonie, Hyperhomocysteinämie, Nierenfunktionsstörungen und Durchblutungsstörungen [Abb. 1].

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Abb. 1 L-Citrullin steigert L-Arginin-Blutspiegel.

Zahlreiche Studien deuten darauf hin, dass L-Arginin zur Prävention und Verlangsamung von Gefäßerkrankungen wie Arteriosklerose beitragen kann. Allerdings wird die orale Bioverfügbarkeit von L-Arginin durch das Arginin-abbauende Enzym Arginase (Arginin → Harnstoff + Ornithin) in der Leber und den Enterozyten im Darm reduziert. Dagegen wird die nicht proteinogene Aminosäure L-Citrullin nicht von der Arginase metabolisiert, sondern kann in den Nieren durch das Enzym Argininosuccinat-Lyase in L-Arginin umgewandelt werden. Die frische Wassermelone (Citrullus vulgaris) zählt neben dem Kürbis und der Gurke mit etwa 1,6-3,5 g/kg zu den reichhaltigsten Nahrungsquellen für L-Citrullin.

In Bezug auf die L-Arginin-Blutspiegel war in Studien die Kombination aus L-Arginin mit L-Citrullin effektiver als die Supplementierung von L-Arginin allein. Außerdem wird L-Arginin zeitlich gleichmäßiger freigesetzt, da L-Citrullin erst in den Nieren über den Harnstoffzyklus zu L-Arginin metabolisiert werden muss. In der Prävention und Therapie von Gefäßerkrankungen ist es empfehlenswert, L-Arginin mit seinem natürlichen Verstärker L-Citrullin zu kombinieren im Verhältnis 1:1 oder 1:0,5 (z. B. 3 × 2 g L-Arg/L-Citr pro Tag, p. o.) und immer auch Laborparameter zu hinterfragen wie Homocystein und ADMA.

Uwe Gröber, Essen