Notf.med. up2date 2019; 14(04): 413-435
DOI: 10.1055/a-0935-4141
Neurologische Notfälle
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Akuter Kopfschmerz als Notfallsymptom

Olaf Eberhardt
,
Helge Topka
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Publication Date:
29 November 2019 (online)

Der akute, starke Kopfschmerz kann Indikator einer bedrohlichen intrakraniellen Pathologie sein, die rasches Handeln erfordert. Doch auch Patienten mit starken primären Kopfschmerzen bedürfen einer gezielten Behandlung, um eine zügige Schmerzlinderung herbeizuführen. Eine Stratifizierung und Differenzierung gefährlicher und harmloserer Kopfschmerzsyndrome im Notfallbereich kann durch die Beachtung von Warnsymptomen (Red Flags) erleichtert werden.

Kernaussagen
  • Kopfschmerzen sind bei 0,5 – 4,5% der Notfallpatienten das führende Symptom.

  • Eine deutliche Schmerzbesserung spontan oder nach Pharmakotherapie schließt eine kritische intrakranielle Pathologie nicht aus.

  • Risikokonstellationen (Red Flags) müssen bei der Entscheidung über bildgebende und weitere Diagnostik berücksichtigt werden.

  • Bekannte primäre Kopfschmerzen ohne Änderung ihres Attackentypus bedürfen im Notfallbereich einer zielgerichteten Behandlung, aber keiner Bildgebung.

  • Neben der Charakterisierung als Vernichtungskopfschmerz (TCH) stellen körperliche Anstrengung bei Auftreten, ein Kollaps zu Beginn, neue neurologische Defizite, neue epileptische Anfälle, eine Bewusstseinsänderung, ein Meningismus und höheres Lebensalter besonders relevante Red Flags dar.

  • Ein Vernichtungskopfschmerz verlangt den raschen Ausschluss einer Subarachnoidalblutung (SAB), in der Regel mittels CCT, CT-Angiografie und Liquordiagnostik. Die SAB-Diagnostik mit CCT und Liquordiagnostik unterliegt latenzabhängigen Limitationen.

  • Die zweithäufigste Ursache eines TCH ist das reversible Vasokonstriktionssyndrom, dessen diagnoseleitende Gefäßveränderungen verzögert auftreten können.

  • Für einen Clusterkopfschmerz sind 10 – 15 l Sauerstoff über eine Gesichtsmaske oder Sumatriptan 6 mg s. c. in der Mehrzahl der Attacken wirksam.

  • Paracetamol und Ibuprofen sind Pharmaka der Wahl bei Schwangeren (Ibuprofen nicht im 3. Trimenon) und Kindern mit Kopfschmerzen.