Phys Med Rehab Kuror 2019; 29(05): 252
DOI: 10.1055/a-0918-1314
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Rezension
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Der perfekte Begleiter im Fasziendickicht

Norman Best
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
07. Oktober 2019 (online)

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Faszien sind derzeit in aller Munde. Nicht nur in der Osteopathie, sondern auch in der Anatomie und weiteren Gebieten der Medizin gewinnen diese Bindegewebsstrukturen zunehmend an Bedeutung. Wenn man sich dem Thema „Faszien“ strukturiert nähern möchte, ist es empfehlenswert das Standardwerk von Serge Paoletti durchzuarbeiten. Die 2. Auflage ist im Softcover eingebunden. Für meinen Geschmack sind die Seiten etwas zu dünn geraten. Damit scheinen Abbildungen und Überschriften häufig durch. Der Vorteil ist allerdings, dass das Buch damit etwas weniger Platz im Bücherregal einnimmt. Inhaltlich gibt es wenig auszusetzen. Beginnend mit embryologischen Prozessen, weiterführend über die Anatomie der Faszie (sowohl mikroanatomisch als auch histologisch) hin zur strukturellen Pathologie wird ein weites Spektrum erfasst. Die anatomischen Schemazeichnungen im Buch sind außerordentlich gut gelungen. Häufig sind aber auch Abbildung eingearbeitet, die aus meiner Sicht fachlich nicht zu beanstanden sind, aber häufig ein etwas „rustikales Äußeres“ haben und eher an anatomische Zeichnungen aus dem Hörsaal erinnern. Beim Lesen stoßen sich diese Zeichnungen etwas mit den tollen Schemadarstellung. Dies ist aber wahrscheinlich Geschmackssache.

Nach den Grundlagen kommen ab Kapitel 5 zunehmend funktionelle Aspekte der faszialen Strukturen zum Tragen. Dem Leser wird klar wie sträflich vernachlässigt in der Vergangenheit Faszien als wesentliche Struktur des Körpers wurden. Dieses Manko hilft dieses Buch abzustellen. Aus meiner Sicht ist mit dem Kapitel 7 („Faszientests“) der Höhepunkt des Buches erreicht. Denn damit schließt der Autor den Bogen von theoretisch- anatomischen Grundlagen hin zur praktischen Anwendbarkeit. Nach meinem Empfinden gibt es nicht viele Bücher, die das so elegant und kurzweilig schaffen. Zum Ende werden Behandlungsmöglichkeiten für fasziale Struktur- und Funktionsstörungen aufgeführt. Viele dieser Tests kennt man aus den manualmedizinisch/osteopathischen Ausbildungsgängen.

Zusammenfassend kann ich dieses Buch empfehlen. Preislich gehört es zur „gehobenen“ Klasse.

Dr. med. Norman Best, Orlamünde