Augenheilkunde up2date 2020; 10(01): 87-108
DOI: 10.1055/a-0917-2091
Netzhaut, Glaskörper, Augenhintergrund
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Fundusautofluoreszenz: Klinische Anwendung und diagnostische Bedeutung

Fundus Autofluorescence Imaging: Clinical Application and Diagnostic Relevance
Almut Bindewald-Wittich
,
Ulrich Kellner
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Publication Date:
05 February 2020 (online)

Zusammenfassung

Die Bildgebung mittels Fundusautofluoreszenz (FAF) ist ein nichtinvasives Verfahren, das Fluorophore vor allem auf Ebene der Fotorezeptoren, des Subretinalraums und des retinalen Pigmentepithels sichtbar macht und zusätzliche, wichtige Informationen liefert. Sie hat entscheidend zum pathophysiologischen Verständnis vieler Erkrankungen beigetragen und wird in Kombination mit anderen bildgebenden Verfahren u. a. für Diagnostik und Verlaufsbeobachtung eingesetzt.

Abstract

Non-invasive fundus autofluorescence (FAF) imaging visualizes fluorophores at the level of the photoreceptors, the subneurosensory space and the retinal pigment epithelium. It gives important information over and above other imaging techniques. FAF imaging has improved the pathophysiological understanding of various retinal diseases. In combination with fundus photography, fluorescence angiography, optical coherence tomography, and electrophysiological examinations, FAF imaging is useful with regard to diagnostics and monitoring both during the natural course and after therapies. This review highlights basic principles of FAF and its clinical application in various retinal diseases.

Kernaussagen
  • Die FAF-Bildgebung ist ein nichtinvasives Verfahren. Es beruht auf der Darstellbarkeit natürlich am Augenhintergrund vorhandener Fluorophore.

  • Die FAF-Bildgebung liefert zusätzliche Informationen zum pathophysiologischen Verständnis, zur Diagnostik und Verlaufskontrolle chorioretinaler Erkrankungen.

  • Fluorophore entstammen hauptsächlich dem Sehzyklus und sind vor allem im RPE lokalisiert. Bestandteile des Alterspigments Lipofuszin tragen dabei wesentlich zur FAF bei. Lipofuszin fällt als Stoffwechselendprodukt altersbedingt und im Rahmen chorioretinaler Erkrankungen durch inkompletten, intralysosomalen Abbau in RPE-Zellen an.

  • Veränderungen auf Ebene der Fotorezeptoren, des RPE, des subretinalen Raums und der Makulapigmentverteilung führen unter anderem zu Veränderungen im FAF-Signal. Deshalb wird die FAF-Bildgebung bei Pathologien auf RPE-Fotorezeptorebene sinnvoll eingesetzt, beispielsweise bei Netzhautdystrophien und der altersabhängigen Makuladegeneration.

  • Zur FAF-Bildgebung stehen verschiedene Geräte zur Verfügung. Neben der klassischen cSLO-FAF und der Autofluoreszenzfotografie beinhalten Weiterentwicklungen die Ultra-Weitwinkel-Bildgebung sowie die Aufnahme von Autofluoreszenzsignalen bei Anregung und Detektion im Bereich unterschiedlicher Wellenlängen (z. B. NIA).