Diabetes aktuell 2019; 17(04): 121
DOI: 10.1055/a-0900-7028
Editorial
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Wenn die Arbeit uns Ärzte krank macht

Antje Bergmann
1  Dresden
,
Peter E.H. Schwarz
2  Dresden
› Author Affiliations
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Publication Date:
28 June 2019 (online)

Im Positionspapier zur Wahl im der Europäischen Union 2019 hat die Bundesärztekammer am 8. April 2019 folgende 6 "Kernforderungen der deutschen Ärzteschaft 2019+" aufgestellt: Patientenschutz vor Marktinteressen, echte Vergleichbarkeit von Berufsqualifikationen herstellen, Chancen der Digitalisierung richtig nutzen, ein gesundes und sicheres Arbeitsumfeld für Ärztinnen und Ärzte erhalten, Arzneimittelversorgung sicherstellen, Mitgliedstaaten müssen in Ausbildung in Gesundheit investieren.

Beim 122. Deutschen Ärztetag in Münster vom 28.–31. Mai 2019 wurden diese Themen ebenfalls thematisiert. Gerade zum Thema „Wenn Arbeit Ärzte krank macht“ kamen sehr viele Diskussionsbeiträge. Eine Grundfrage ist ja: Was erhält uns Ärzte gesund und macht es uns möglich, für die Patienten und alle anstehenden Aufgaben einsatzfähig zu bleiben und uns die Freude am Beruf zu erhalten? In der Genfer Deklaration heißt es in der aktuellen Fassung und Änderung von 2017: „… Ich werde auf meine eigene Gesundheit, mein Wohlergehen und meine Fähigkeiten achten, um eine Behandlung auf höchstem Niveau leisten zu können …“.

Im täglichen Arbeitsalltag kann der Fokus auf die eigene Gesunderhaltung verloren gehen. Wann haben wir Ärzte denn Zeit, uns ausreichend zu bewegen, uns immer ausgewogen und gesund zu ernähren, Stress zu reduzieren, achtsam mit uns selbst umgehen, für eine ausgewogene Balance zwischen Arbeit und Freizeit zu sorgen (um den unglücklichen Begriff der sog. „Work-Life-Balance“ zu meiden, denn zum Leben gehört für viele von uns eine ausgewogene Arbeit), Nikotin komplett zu vermeiden und einen allenfalls moderaten Alkoholkonsum aufzuweisen? Wir wären für viele unserer Patienten die besten Vorbilder und Motivatoren für Lebensstilinterventionen und nachhaltige Änderungen. Gerade auch für Patienten mit Diabetes mellitus wären diese Säulen der Lebensstilintervention essenziell wichtig.

Diese wichtigen Grundfragen ärztlichen Selbstverständnisses, des Gesundheitsverhaltens und des Risikobewusstseins sollten gerade in diesen Tagen wieder in den Fokus gerückt werden. Seien wir für unsere Patienten öfter gute Vorbilder!