Sportverletz Sportschaden 2020; 34(01): 28-32
DOI: 10.1055/a-0895-2317
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Effektivität von Oberkörperkompressionsbekleidung unter Wettkampfbedingungen. Eine randomisierte Crossover-Studie an Elite-Kanusportlern mit einer zusätzlichen Einzelfallanalyse

Effectiveness of Upper Body Compression Garments Under Competitive Conditions: A Randomised Crossover Study with Elite Canoeists with an Additional Case Study
Casper Grim
1  Klinikum Osnabrück GmbH, Klinik für Orthopädie, Unfall- und Handchirurgie, Osnabrück, Deutschland
,
Thilo Hotfiel
1  Klinikum Osnabrück GmbH, Klinik für Orthopädie, Unfall- und Handchirurgie, Osnabrück, Deutschland
,
Martin Engelhardt
1  Klinikum Osnabrück GmbH, Klinik für Orthopädie, Unfall- und Handchirurgie, Osnabrück, Deutschland
,
Dennis B. Drieschner
2  Trainerakademie Köln des DOSB, Köln
,
Gernot Willscheid
3  Schulthess Klinik Zürich, Abteilung Sportmedizin, Zürich, Schweiz
,
Matthias W. Hoppe
1  Klinikum Osnabrück GmbH, Klinik für Orthopädie, Unfall- und Handchirurgie, Osnabrück, Deutschland
4  Bergische Universität Wuppertal, Arbeitsbereich Bewegungs- und Trainingswissenschaft, Wuppertal, Deutschland
› Author Affiliations
Further Information

Publication History

Publication Date:
18 July 2019 (online)

Zusammenfassung

Ziel der Studie war es zu untersuchen, ob im Elite-Kanusport durch das Tragen von Oberkörperkompressionsbekleidung eine Verbesserung der Leistungsfähigkeit zu erzielen ist. Für die Studie wurden 23 Elite-Athleten des Deutschen Kanuverbands (6 Frauen, 17 Männer) rekrutiert. Diese absolvierten auf einem Regattasee eine 1650 m lange Teststrecke mit gewohnten Wettkampf- bzw. Trainingsbooten und -paddeln. Die Athleten wurden randomisiert in 2 Gruppen eingeteilt und durchliefen die Teststrecke mit und ohne Oberkörperkompressionsbekleidung. Neben Zwischen- und Endzeiten wurden kapilläre Blutlaktatkonzentrationen erhoben. Für die Statistik wurden ein effektbasierter Ansatz („Magnitude-Based Inferences“) und eine zusätzliche Einzelfallanalyse durchgeführt. Hierfür wurde der mittlere bzw. individuelle Effekt in Relation zur kleinsten lohnenswerten Differenz betrachtet. Die effektbasierte Statistik zeigt im Mittel, dass durch das Tragen von Oberkörperkompressionsbekleidung keine eindeutigen Veränderungen hinsichtlich der Leistungsfähigkeit zu erzielen sind. Die Änderungen der Laktatkonzentrationen sind hingegen eindeutig, aber als trivial anzusehen. Im Gegensatz zum mittelwertanalytischen Vorgehen zeigen die Ergebnisse der Einzelfallanalyse, dass es bei 13,0 % der Athleten zu einer Leistungsverbesserung und bei 4,4 % zu einer geringeren Laktatkonzentration durch das Tragen von Oberkörperkompressionsbekleidung kam. Bei 4,4 % der Athleten kam es zu einer Leistungsverschlechterung und bei 17,4 % zu einer höheren Laktatkonzentration. Unsere Studie zeigt, dass das Tragen von Oberkörperkompressionsbekleidung bei hochtrainierten Elite-Kanusportlern im Mittel keinen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit und Laktatkonzentration hat. Im Einzelfall zeigen sich jedoch positive und negative Effekte, die für den Elitebereich praktisch bedeutsam sein können.

Abstract

This study aimed to investigate the effects of upper body compression garments on performance changes in elite canoeists. A total of 23 elite athletes from the German Canoe Federation (6 women and 17 men) were recruited. On a regatta lake, the athletes completed a 1650-m test track with their competition or training boats and paddles. The athletes were randomised into two groups and performed the test track with and without upper body compression garments. Besides split and end times, capillary blood lactate concentrations were assessed. For statistical analysis, an effect-based approach (“Magnitude-Based Inferences”) and an additional case study were conducted. For this purpose, the mean and individual effects were examined in relation to the smallest worthwhile changes. On average, the effect-based approach shows that upper body compression garments do not lead to clear changes in performance. The changes in lactate concentrations were clear, but were considered trivial. In contrast to the average statistical analysis, the results of the case study demonstrate that upper body compression garments lead to an improved performance in 13.0 % and a worsened performance in 4.4 % of athletes. Additionally, a decreased lactate concentration was found in 4.4 % and an increased lactate concentration in 17.4 % of athletes. Our study shows that, on average, upper body compression garments have no effects on the performance and lactate concentration of highly trained elite canoeists. In individual cases, however, there are beneficial as well as harmful effects that may have practical relevant consequences for elite athletes.