PSYCH up2date 2020; 14(02): 151-166
DOI: 10.1055/a-0888-7784
Angststörungen, Zwangsstörungen und stressassoziierte Störungen

Krankheitsängste und Hypochondrische Störung

Karoline Sophie Sauer
,
Michael Witthöft

Subject Editor: Wissenschaftlich verantwortlich gemäß Zertifizierungsbestimmungen für diesen Beitrag ist Prof. Dr. med. Ulrich Voderholzer, Prien.

Krankheitsängste sind weit verbreitet und in ihrer pathologischen Ausprägung in Form der Hypochondrischen Störung (ICD-10) kostenintensiv für das Gesundheitssystem. In den letzten Jahren gab es Fortschritte bei der Erforschung und Entwicklung effektiver psychotherapeutischer Behandlungen. Kognitiv-verhaltenstherapeutische Therapiekonzepte repräsentieren derzeit die Methode der Wahl zur Behandlung der Hypochondrischen Störung.

Kernaussagen
  • Pathologische Krankheitsängste sind durch eine verstärkte Aufmerksamkeit und Erinnerung an gesundheitsbezogene Informationen und durch spezifische Interpretationsmuster von körperlichen Symptomen gekennzeichnet – körperliche Symptome werden als Zeichen für eine körperliche Erkrankung bewertet. Auf Verhaltensebene zeigen Betroffene Rückversicherungs- und Vermeidungsverhalten.

  • Krankheitsängste sind in der Bevölkerung häufig vertreten. Die Diagnose des Vollbilds einer Hypochondrie/Hypochondrischen Störung wird jedoch nur selten gestellt.

  • Häufige Komorbiditäten sind depressive Störungen, andere Angststörungen und somatoforme Störungen.

  • Die Entstehung und Aufrechterhaltung pathologischer Krankheitsängste wird multikausal erklärt. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Somatosensorische Verstärkung und aufrechterhaltende Faktoren auf physiologischer, kognitiver, affektiver und behavioraler Ebene.

  • Es existieren einige evidenzbasierte kognitiv-verhaltenstherapeutische Ansätze zur effektiven Behandlung pathologischer Krankheitsängste. Schwerpunkte der Behandlung stellen u. a. die Konfrontation mit gesundheitsrelevanten Informationen und der Abbau von Rückversicherungsverhalten dar.

  • Eine pharmakologische Therapie der Hypochondrischen Störung erscheint aktuell nicht ausreichend evidenzbasiert. SSRIs konnten erste Wirksamkeitsnachweise in Form einer Mono- oder Kombinationstherapie (mit Psychotherapie) liefern.



Publication History

Publication Date:
09 March 2020 (online)

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