Phys Med Rehab Kuror 2019; 29(04): 199-205
DOI: 10.1055/a-0879-4203
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Effekte eines Multimodalen Therapieprogramms bei Patienten mit Rückenbeschwerden zur Prävention der Sarkopenie

Effects of a Multimodal Therapy Program in Patients with Back Pain for the Prevention of Sarcopenia
Aki Pietsch
1  BG Klinikum Hamburg, ZRH / Sportmedizin, Hamburg
,
Eric Hartinger
2  Berufsgenossenschaft fur Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege, BV Hamburg, Hamburg
,
Helge Riepenhof
1  BG Klinikum Hamburg, ZRH / Sportmedizin, Hamburg
› Author Affiliations
Further Information

Publication History

eingereicht26 November 2018

akzeptiert 18 March 2019

Publication Date:
19 August 2019 (online)

Zusammenfassung

Einleitung Sarkopenie ist eine Erkrankung des älteren Menschen, und bezeichnet im muskuloskelettalen System den zunehmenden Verlust der Qualitäten Muskelmasse, Muskelkraft und Muskelfunktion. Einhergehend mit der Ausprägung der Sarkopenie zeigt sich eine vermehrte Frailty (Gebrechlichkeit), deren Folgen durch die altersbedingt herabgesetzte Belastbarkeit sowie einem additiv verminderten Kraftzustand gravierende Einschnitte in die Lebensqualität der betroffenen Menschen haben kann. Positiv beeinflussen lässt sich das Eintreten und Voranschreiten der Alterungsprozesse aktiv durch körperliches Training, womit der Abnahme der neuromuskulären Leistungsfähigkeit entgegengewirkt werden kann. Es besteht Konsens, dass hier ein Hypertrophietraining mit dem Training situationsspezifischer Bewegungsaufgaben der einzelnen Muskelgruppen empfohlen wird.

Fragestellung In dieser Studie soll nachgewiesen werden, dass ein multimodales Therapiekonzept ebenso wie ein Hypertrophietraining in der Rückenmuskulatur zu einem signifikanten Muskelzuwachs in der Bereichen Extension und Flexion sowie Lateralisation und Rotation beidseits führt.

Material und Methoden Es wurden 52 Patientinnen zwischen 50 und 65 Jahren mit der Primärerkrankung eines „Rückenleidens“ prospektiv untersucht. Sie absolvierten ein 3-wöchiges stationäres multimodales Therapieprogramm, bei dem 2 isometrische Kraftmessungen der Rückenmuskulatur durchgeführt wurden, die erste (T0) am ersten Therapietag und die zweite (T1) am letzten Therapietag. Die Ergebnisse wurden mittels SPSS als Mittelwert (M) und Standardabweichung (SD) beschrieben. Die Normalverteilung wurde verifiziert (Kolmogorov-Smirnov-Test).

Ergebnisse Es zeigen sich signifikante Verbesserungen der Kraft bei der Extension sowie der Lateralkraft und Rotation rechts. Kraftzuwächse bei der Flexion sowie der Lateralkraft und Rotation links konnten ebenfalls nachgewiesen werden, aber im Vergleich zu den anderen 3 Kraftrichtungen mit verminderter Stärke.

Diskussion und Schlussfolgerung Es konnte aufgezeigt werden, dass anstelle eines reinen Hypertrophietraining auch ein multimodales Therapieprogramm zu einem Kraftzuwachs führt. Da reines Hypertrophietraining gerade für den älteren Menschen eine große Herausforderung darstellt, zeigt sich durch das untersuchte multimodale Therapiekonzept ein weiterer erfolgversprechender Ansatz, um gerade den älteren Menschen den oft schwierigen Einstieg in die Behandlung der Sarkopenie zu erleichtern. Auffällig ist der deutlich höhere Kraftzuwachs bei der Extension sowie der Rotation und Lateralisation rechts. Hier besteht weiterer Forschungsbedarf, um diesbezügliche Erklärungen zu erhalten. Eine erhebliche Schwäche der Studie ist das Fehlen einer Kontrollgruppe, weswegen die erzielten Effekte des Kraftzuwachses nicht zweifelsfrei der Intervention zugerechnet werden können. Die Durchführung weiterer Studien erscheint hier sinnvoll, bestenfalls im Rahmen eines randomisierten Kontrollstudiendesigns mit verschiedenen Altersgruppen.

Abstract

Introduction Sarcopenia is a disease in elderly individuals, and is associated with increasing loss of muscle mass, muscle strength and muscle function. Along with the severity of sarcopenia, an increased frailty is evident. The consequences of an increased frailty are age-related reduced resilience and reduced strength conditions, and following this a substantial loss of quality of life. The onset and progression of aging processes can be positively influenced by physical training, which helps to prevent the decline in neuromuscular capacity. There is consensus that hypertrophy training focusing on the training of situation specific movement tasks of the individual muscle groups is recommended.

Purpose In this study we demonstrated that multimodal therapy is an efficient alternative intervention to strengthen the back muscles and by this to increase muscle growth in the areas of extension and flexion as well as lateralization and rotation on both sides.

Material and Methods 52 patients aged between 50 and 65 with a main diagnosis of back disease were examined prospective. They completed a 3-week inpatient multimodal therapy program. Effects of the program were assessed by applying two isometric strength measurements of the back muscles. Baseline measurement (T0) was done on the first day of the program and post measurement (T1) on the last day of therapy. The results were described by means of SPSS as mean (M) and standard deviation (SD). The normal distribution was verified (Kolmogorov-Smirnov test).

Results Date indicates that there are significant improvements in extension force, right lateral and right rotation force. Strength gains in flexion, left lateral and left rotation could also be demonstrated, but compared to the other three directions with reduced strength.

Discussion and conclusion It could be shown that even a multimodal therapy program leads to an increase in strength. Since pure hypertrophy training is a great challenge, expecially for the elderly, the multimodal therapy concepts promising approach to facilitate the often difficult start to the treatment of sarcopenia. Remarkable is the significantly higher power increase in the extension, the rotation and lateralization on the right side compared to the left side. Here further research is needed to obtain explanations. A significant weakness of the study is the lack of a control group. Further research with more sophisticated study designs (e.g. RCT) are necessary in order to learn more about this alternative intervention to treat sarcopenia.