Phys Med Rehab Kuror 2019; 29(03): 128-129
DOI: 10.1055/a-0863-9200
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Rezension
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Nützliche Ergänzung bei komplexen Patienten

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Publication Date:
01 July 2019 (online)

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Mein Eindruck vom Buch ist durchaus positiv, auch wenn es einige kleinere Schwächen aufweist. Für wen würde ich das Buch empfehlen? Meiner Meinung nach ist das Buch sehr gut für Ärzte und Therapeuten geeignet, die sich intensiv mit dem Thema Bewegungssystem auseinandersetzen. Für Studenten oder fachärztliche Kollegen, die sich nur bedingt mit dem Bewegungssystem beschäftigen, ist es eher weniger empfehlenswert, da die beschriebenen Test sehr spezifisch und umfangreich sind. Prinzipiell ist das natürlich nichts Schlechtes, aber hier sind wir bei einer Schwäche des Buches angelangt. Neben den sehr gut beschriebenen und durchaus gut bebilderten Test fehlt mir der Weg der Untersuchung vom Allgemeinen zum Speziellen. In verschiedenen Flussdiagrammen wird zwar versucht den Untersuchungsaufbau zu strukturieren, was aber nur teilweise gelingt. Das Flussdiagramm der Hüfte bspw. zeigt zwar, wie ich von den verschiedenen auffälligen Tests zu einer Verdachtsdiagnose gelange, die orientierende Untersuchung und bei welchen Auffälligkeiten ich überhaupt an den jeweiligen Test denken muss, fehlt aber leider. Gerade auch die Hinweise, wann ich das Gelenk als solches und wann eher die beteiligte Muskulatur in den Fokus zu stellen sind, wären wünschenswert gewesen. Denn im klinischen Alltag ist es nicht möglich und sicher auch nicht sinnvoll alle genannten Tests durchzuführen.

Die einzelnen Tests sind, wie schon erwähnt, gut beschrieben und bebildert, wenn die Bilder auch optisch nicht besonders ansprechend gestaltet sind. Eine verwirrende Diskrepanz zwischen Bild und Textbeschreibung ergibt sich bspw. beim Schepelmann-Test. Sehr gut finde ich die Möglichkeit Videos zu einzelnen Tests abrufen zu können. Etwas schade ist hier, dass recht einfache Tests hinterlegt sind, während in der Beschreibung kompliziert anmutende Test teilweise fehlen.

Die segmentalen Untersuchungen der Wirbelsäule finde ich insofern nicht optimal gelungen, als dass ein manualmedizinisch nicht ausgebildeter Kollege sicher Schwierigkeiten haben wird, auf diesem Weg eine segmentale Funktionsstörung zu verifizieren.

Die Übersichten zu Nerven- und Nervenwurzelirritationen mit zugehörigem Test und Klinik finde ich übersichtlich und ansprechend.

Anders als in anderen Büchern sind, wie im Titel versprochen, auch Muskeltestungen beschrieben. Gerade in Hinblick auf eine wünschenswerte funktionelle statt mechanische Beurteilung hätte der Bereich Muskulatur, Verkürzung, Verspannung, Abschwächung und zugehörige Testung für meinen Geschmack etwas umfangreicher ausfallen dürfen.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass mir das Buch gut gefallen hat und es besonders im Hinblick auf komplexere Patienten zur Ergänzung des eigenen Untersuchungsstandards einen umfassenden Überblick über die klinische Testung am Bewegungssystem gibt.

Dr. med. Josephine Kühnemund, Jena