physiopraxis 2019; 17(04): 18-22
DOI: 10.1055/a-0856-2078
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Internationale Studienergebnisse


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Publication Date:
17 April 2019 (online)

Parkinson – Intensive Bewegungstherapie verbessert Bewegungsfähigkeit

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Durch extrovertierte Bewegungsübungen können Patienten den Parkinson-typischen kleinen Bewegungen entgegenwirken.
Abb.: Antonio_Diaz/istockphoto.com (Symbolbild)

Eine intensive Bewegungstherapie verbessert die Bewegungsfähigkeit bei Menschen mit Morbus Parkinson. Dabei ist das Lee Silverman Voice Treatment – BIG (LSVT) anderen Konzepten nicht überlegen. Zu diesem Schluss kommen Forscher der Hochschule für Gesundheit Bochum.

Sie erstellten eine systematische Übersichtsarbeit zur Wirksamkeit des LSVT-BIG-Programms im Hinblick auf die motorische Funktionsfähigkeit bei Menschen mit Parkinson. Dazu recherchierten sie randomisiert-kontrollierte Studien aus den Jahren 2005 bis 2017 zum Thema LSVT-BIG bei idiopathischem Parkinson-Syndrom. Einschlusskriterien waren, dass die motorische Funktionsfähigkeit anhand der „Unified Parkinson Disease Rating Scale“ (UPDRS)“ gemessen und das Training nach Standardprotokoll (1 Stunde, 4-mal pro Woche, 4 Wochen lang) im Vergleich zu einer anderen aktiven Intervention in der Kontrollgruppe durchgeführt wurde. Drei Studien erfüllten die Einschlusskriterien und schlossen insgesamt 113 Teilnehmer ein. Diese geringe Teilnehmerzahl ermöglicht nur bedingt eine Einschätzung über den Therapieeffekt.

Die Interventionen in den Kontrollgruppen unterschieden sich jeweils deutlich vom LSVT-BIG: In der ersten Studie wurde ein 30-Minuten-Training auf dem Laufband mit 30-minütigen Übungen im Sitzen durchgeführt. Die Therapiefrequenz umfasste wie beim LSVT-BIG insgesamt 16 Stunden. Bei der zweiten Studie bekam die Kontrollgruppe ein gekürztes, 10-stündiges LSVT-BIG-Training. In der dritten Studie erfolgte neben einem einmal gezeigten Eigenübungsprogramm ein einstündiges Nordic-Walking-Training in der Gruppe (2-mal wöchentlich, 8 Wochen lang). Lediglich in dieser Untersuchung konnten die Wissenschaftler eine Überlegenheit des LSVT-BIG-Programms nachweisen; in den beiden anderen Studien wiesen die Teilnehmer keine signifikant besseren Werte in der „Unified Parkinson Disease Rating Scale“ auf.

Das Fazit lautet daher: Spezifische bewegungstherapeutische Therapien scheinen ähnliche Effekte wie das LSVT-BIG-Programm zu haben. Um eine klare Aussage treffen zu können, verweisen die Autoren jedoch auf die Notwendigkeit von weiteren methodisch hochwertigen Studien zu diesem Thema.

nk

physioscience 2018; 14: 153–160