Frauenheilkunde up2date 2020; 14(01): 27-42
DOI: 10.1055/a-0854-7203
Gynäkologische Onkologie
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Adjuvante endokrine Therapie beim primären Mammakarzinom

Natalia Krawczyk
,
Tanja Fehm
,
Eugen Ruckhäberle
Further Information

Publication History

Publication Date:
30 January 2020 (online)

Endokrine Therapie stellt einen integralen Bestandteil der Mammakarzinomtherapie dar. Bis zu 70% aller Mammakarzinome sind Hormonrezeptor-(HR-)positiv und können endokrin (mit)behandelt werden. Bei erhöhtem Rückfallrisiko wird die Therapie heutzutage tendenziell verlängert und/oder in der Prämenopause durch den Einsatz von GnRH-Analoga intensiviert – wie die aktuellen Empfehlungen zur endokrinen Therapie des primären Mammakarzinoms zeigen.

Kernaussagen
  • Eine endokrine Therapie über 5 Jahre (initiale adjuvante Therapie; IAT) stellt den aktuellen Behandlungsstandard des HR-positiven Mammakarzinoms dar.

  • In der Prämenopause wird in den meisten Fällen die Behandlung mit Tamoxifen über 5 Jahre empfohlen, die bei Hochrisikokonstellation mit paralleler Gabe von GnRH-Analoga ebenfalls über 5 Jahre intensiviert werden kann.

  • Eine IAT bei postmenopausaler Patientin soll neben Tamoxifen standardmäßig einen AI über 2 – 3 Jahre beinhalten (Sequenz-Therapie), während bei erhöhtem Rückfallrisiko und bei lobulärem Karzinom AI-Behandlung über 5 Jahre bevorzugt wird (Upfront-Therapie).

  • Bei hohem Rückfallrisiko kann nach Risiko-Nutzen-Abwägung die endokrine Therapie über 5 Jahre hinaus verlängert werden (erweiterte adjuvante Therapie, EAT): bei prämenopausaler Patientin um weitere 5 Jahre Tamoxifen, in der Postmenopause um 2 – 5 Jahre Aromatasehemmer.

  • In Falle einer EAT nach bereits im Rahmen der IAT erfolgten AI-Gabe ist eine 7- bzw. 7,5-jährige Behandlung mit Aromatasehemmer der 10-jährigen nicht unterlegen.

  • Im Falle einer EAT muss die Patientin über die Zunahme der Nebenwirkungen aufgeklärt werden: 10 vs. 5 Jahre Tamoxifen-Therapie verdoppeln die Rate der Endometriumkarzinome; verlängerte AI-Einnahme ist mit signifikant höheren Osteoporoseraten sowie deutlich erhöhten Frakturraten verbunden.