Frauenheilkunde up2date 2020; 14(02): 135-147
DOI: 10.1055/a-0854-2182
Gynäkologische Onkologie
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Mammakarzinom und Schwangerschaft

Eva-Maria Grischke
,
Andreas Hartkopf
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Publication Date:
27 March 2020 (online)

Die Häufigkeit, in der es zu einer Koinzidenz von Mammakarzinom und Schwangerschaft kommt, beträgt 0,7 – 3,9%. Dies ergibt sich nicht zuletzt aus der normalen Altersverteilung für Frauen mit einer Mammakarzinomerkrankung. So treten 10% aller Mammakarzinome bei Frauen unter 45 Jahren auf. Zahlen aus Europa beschreiben ein Durchschnittsalter von 33 Jahren, bei einem mittleren Gestationsalter von 21 Wochen zum Zeitpunkt der Diagnosestellung.

Kernaussagen
  • Ein in der Schwangerschaft diagnostiziertes Mammakarzinom verhält sich unter Berücksichtigung der Tumorbiologie nicht aggressiver im Vergleich zu einer Erkrankung außerhalb einer Schwangerschaft. Mammakarzinome werden bedingt durch mehrere Faktoren in der Schwangerschaft allerdings häufig später diagnostiziert.

  • Für die Therapieplanung ist das Gestationsalter zum Zeitpunkt der Diagnosestellung von Bedeutung.

  • Einsetzbare Verfahren zur Diagnosestellung sind die Mammografie in 2 Ebenen mit Bleischürze, die Ultraschalluntersuchung, die Stanzbiopsie sowie ggf. eine Mamma-MRT-Untersuchung.

  • Operativ sind Brusterhalt, ablative Verfahren und die axilläre Sentinel-Lymphknotenexstirpation mit Technetium-Detektion möglich.

  • Eine Chemotherapie ist sowohl neo- als auch adjuvant ab dem 2. und 3. Trimenon möglich. Die umfangreichsten Erfahrungen liegen für Epirubicin in Kombination mit Cyclophosphamid vor; mittlerweile gibt es auch ausreichende Erfahrung für Taxane.

  • Supportive Maßnahmen sollten eine ausreichende Antiemese beinhalten, die Verabreichung von Ondansetron ist aufgrund der vorliegenden Erfahrungen im 2. und 3. Trimenon möglich.

  • Auf die Verabreichung von Wachstumsfaktoren wie G-CSF sollte verzichtet werden.

  • Eine Entbindung im Nadir ist zu vermeiden, ebenso eine Frühgeburtlichkeit.

  • Die Betreuung während der Schwangerschaft sollte interdisziplinär erfolgen (Onkologe, Senologe, Pränataldiagnostiker, Geburtshelfer).

  • Die Entbindung sollte unter Berücksichtigung erforderlicher neonataler Überwachung nach Chemotherapie in einem Perinatalzentrum erfolgen.