Pneumologie 2020; 74(06): 374-386
DOI: 10.1055/a-0853-2881
CME-Fortbildung

Das Respiratorische Synzytial-Virus beim Erwachsenen

The Respiratory Syncytial Virus (RSV) in Adults
F. Frenzen
,
G. Müller
,
K. Frenzen

Verantwortlicher Herausgeber dieser Rubrik: Wissenschaftlich verantwortlich gemäß Zertifizierungsbestimmungen für diesen Beitrag ist Dr. med. Frederik Frenzen, Dresden.

Das Respiratorische Synzytial-Virus ist nach Influenza und aktuell SARS-CoV-2 einer der Hauptverursacher von viralen Atemwegsinfektionen. Obwohl das Virus häufiger im Kleinkindesalter auftritt, kann es auch beim Erwachsenen – mit wachsender Häufigkeit im Alter – zu schweren Atemwegsinfektionen bis hin zum Tod führen. Vakzine oder spezifische Therapeutika fehlen. Ein fundiertes Wissen ist im Hinblick auf mögliche Komplikationen nicht nur für den Pädiater notwendig.

Abstract

RSV induces an acute viral disease with involvement of the respiratory tract. It can be notably life-threatening for infants but also for older adults. New RSV-subtypes are constantly evolving globally. The knowledge about epidemiology, hygiene measures, diagnostics and clinical feature is essential not only for the paediatrician. Vaccines or specific therapeutics are still missing. This article gives an overview with focus on RSV in adults. In addition, molecular pathological characteristics of the virus are explained, research approaches concerning vaccines and therapeutics are mentioned and current problems in management are discussed.

Kernaussagen
  • RSV-Infektionen sind akute, in gemäßigten Breiten saisonal auftretende Viruserkrankungen mit Beteiligung der Atemwege, die insbesondere bei Kleinkindern (< 24 Monaten) sowie älteren Patienten (> 65 Jahre) auftreten.

  • Aktuelle epidemiologische Daten in Deutschland sind nicht repräsentativ. RSV-Infektionen bei Erwachsenen bleiben häufig im klinischen Alltag unerkannt, sei es, weil das RSV zu selten in Betracht gezogen wird oder RSV-Tests nicht angefordert bzw. zu spät durchgeführt werden.

  • RS-Viren verändern sich kontinuierlich, da die RNA-Replikation fehleranfällig ist und es hierbei keinen Korrekturmechanismus gibt. Durch Mutationen wird die virale Fitness beeinflusst und die Entwicklung von antiviralen Medikamenten und Vakzinen erschwert.

  • Die Kontagiosität kann bereits einen Tag nach Infektion und vor Symptombeginn beginnen. Sie hält ca. 3 – 8 Tage bei Immunkompetenten an, bei Immundefizienten, aber auch Früh- und Neugeborenen ggf. Wochen bis selten Monate.

  • Der Goldstandard für die virologische Diagnostik ist der Nachweis mittels PCR. Die Sensitivität ist innerhalb von 48 h nach Symptombeginn am höchsten. RSV-Schnelltests können vorgeschaltet sein. Bei negativem Ergebnis bedarf es einer PCR-Bestätigung.

  • Eine effektive spezifische Therapie existiert aktuell nicht. In Einzelfällen kann eine Therapie mit Ribavirin (z. B. für Lungentransplantierte) in Erwägung gezogen werden.

  • Eine medikamentöse Prophylaxe mit Palivizumab ist bei spezifischen pädiatrischen Risikogruppen zugelassen.

  • Vakzine gegen RSV existieren weiterhin nicht. Klinische Studien bezüglich verschiedener Impfstoffkandidaten laufen.

  • Nicht-pharmazeutische bzw. Hygienemaßnahmen und ggf. das Aufklären hierüber sollten nicht vergessen werden.



Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
17. Juni 2020 (online)

© Georg Thieme Verlag KG
Stuttgart · New York