Geriatrie up2date 2019; 1(03): 207-225
DOI: 10.1055/a-0851-1610
Gynäkologie und Urologie
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Harninkontinenz der älteren Frau

Gert Naumann
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Publication Date:
22 October 2019 (online)

Die Harninkontinenz der Frau in der zweiten Lebenshälfte gehört zu den typischen Volkskrankheiten. Sie ist wie die Sturzneigung, das Delir, der Dekubitus, der Schwindel und andere Auffälligkeiten ein geriatrisches Syndrom und für den Behandler sehr schwierig, da multifaktoriell, komplex, chronisch, interdisziplinär und prognostisch eher ungünstig. Neben konservativen Therapiemöglichkeiten gibt es auch effektive operative Verfahren.

Kernaussagen
  • Harninkontinenz der Frau ist eine Erkrankung mit hoher Prävalenz und hohem Leidensdruck.

  • Hauptformen sind die belastungsbedingte Inkontinenz sowie die überaktive Blase mit/ohne Harndranginkontinenz.

  • Erforderlich ist eine individuelle abgestimmte Diagnostik unter dem Motto: „so viel wie nötig, so wenig wie möglich“ unter Einhaltung einer Stufendiagnostik.

  • Domäne der Behandlung der überaktiven Blase ist die medikamentöse Therapie mittels lokaler Östrogenisierung, Antimuskarinika oder Mirabegron. Nur im behandlungsrefraktären Fall kommen operative Interventionen wie Onabotulinumtoxin-A-Injektionen intravesikal oder sakrale Neuromodulation zur Anwendung.

  • Domäne der Behandlung der Belastungsinkontinenz ist die operative Therapie mittels Einlage einer spannungsfreien Vaginalschlinge oder Kolposuspension.

  • Bei fehlenden organischen Befunden an psychosomatische Komponente denken.

  • Bei komplexen Fällen, Therapieversagern oder Rezidivfällen Patientinnen immer in zertifizierte Beckenbodenzentren verweisen.