PSYCH up2date 2019; 13(05): 395-409
DOI: 10.1055/a-0847-9296
Störungen durch psychotrope Substanzen
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Cannabis, Cannabinoide und Cannabiskonsumstörungen

Eva Hoch
,
Ulrich W. Preuss
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Publication Date:
04 September 2019 (online)

Keine Droge führt derzeit zu so intensiven, teilweise leidenschaftlich geführten Diskussionen wie Cannabis. Welche gesundheitlichen und sozialen Risiken birgt die Substanz, wenn sie zu Rauschzwecken gebraucht wird? Dieser Beitrag beschreibt die wichtigsten Cannabinoide, das endogene Cannabissystem sowie mögliche kurz- und langfristige Risiken. Er zeigt zudem psychotherapeutische Behandlungsoptionen von Cannabismissbrauch und -abhängigkeit auf.

Kernaussagen
  • Nahezu 25 Mio. Bürger und Bürgerinnen in der EU nutzen Cannabis zu Rauschzwecken, ca. 3 Mio. von ihnen mit klinisch relevantem Konsum.

  • Das durchschnittliche Verhältnis von THC zu CBD in Cannabisprodukten hat sich im letzten Jahrzehnt sehr stark erhöht. Dadurch steigen möglicherweise die gesundheitlichen Risiken von Cannabis, insbesondere bei vulnerablen Personen.

  • Regelmäßiger und in der Adoleszenz beginnender Cannabiskonsum ist mit einem erhöhten Risiko für psychische Erkrankungen wie Depressionen und Psychosen verbunden, kann aber auch kognitive Fähigkeiten, den Bildungserfolg, die Fahrtüchtigkeit signifikant einschränken.

  • Nach Alkohol ist der Konsum von Cannabis der häufigste Anlass für einen Kontakt mit dem Suchthilfesystem in Deutschland.

  • Ein cannabisspezifisches Entzugssyndrom kann innerhalb von 48 Stunden nach dem Cannabiskonsumstopp auftreten. Es ist i. R. gut behandelbar und klinisch unkompliziert.

  • Wirksame Therapieansätze zur Behandlung von Cannabiskonsumstörungen sind die motivationale Gesprächsführung in Kombination mit kognitiver Verhaltenstherapie.

  • Für Kinder und Jugendliche mit pathologischem Cannabiskonsum wurden auch familientherapeutische Behandlungsansätze entwickelt.

  • Die Behandlungserfolge sind eher moderat: Etwa jeder 4. Therapieteilnehmer ist nach 3 – 4 Monaten noch abstinent.

  • Bisher existieren keine Arzneimittel, die für die Behandlung von Cannabiskonsumstörungen zugelassenen sind.

  • Behandlungsansätze für Menschen mit Cannabiskonsumstörungen und komorbiden Erkrankungen (z. B. Psychosen, affektiven Erkrankungen, Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitäts- oder Persönlichkeitsstörungen) fehlen.