Gesundheitswesen 2019; 81(05): 422-430
DOI: 10.1055/a-0837-0821
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Amputationen der unteren Extremität in Deutschland – Regionale Analyse mit Krankenhausabrechnungsdaten von 2011 bis 2015

Lower Extremity Amputation in Germany: Regional Analysis using Nationwide Hospital Discharge Data 2011–2015
Melissa Spoden
1  Department for Structural Advancement and Quality Management in Health Care, Technische Universität Berlin, Berlin
2  Department of Health Care Management, Technische Universität Berlin, Berlin
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Publication Date:
21 March 2019 (eFirst)

Zusammenfassung

Ziel der Arbeit Amputationen vermindern irreversibel die Lebensqualität. Das Ziel vorangehender Versorgung ist stets eine Amputation zu verhindern. Diese Versorgung sollte bundesweit mit derselben Ergebnisqualität gewährleistet sein. Ziel dieser Arbeit ist es, regionale Versorgungsunterschiede sichtbar zu machen, indem Amputationsfallzahlen nach Amputationshöhen auf Kreisebene analysiert werden.

Methodik In den deutschlandweiten Krankenhausabrechnungsdaten (DRG-Statistik) wurden alle Behandlungsfälle mit Amputation an der unteren Extremität zwischen 2011 und 2015 identifiziert. Auf Kreisebene wurden rohe Raten sowie alters- und geschlechtsstandardisierte Raten pro 100 000 Einwohner dargestellt. Daneben wurde die systematische Variationskomponente (SCV) zwischen den Kreisen betrachtet und das standardisierte Morbiditätsverhältnis (SMR) in Funnel Plots dargestellt.

Ergebnisse Im Beobachtungszeitraum belief sich die mediane jährliche Amputationsrate auf 67 Fälle pro 100 000 Einwohner. Auf Kreisebene variierte die rohe Rate um das 6-fache. Unabhängig von demografischen Unterschieden zeigten sich Variationen zwischen den Kreisen. Erhöhte Amputationsraten wurden überwiegend im Osten und Südosten beobachtet. Die Variationen waren bei den Amputationshöhen Zeh/Zehenstrahl (SCV 11,8) und Fuß komplett & Mittel-/Vorfuß (SCV 11,7) am stärksten ausgeprägt.

Schlussfolgerung Es bestehen deutliche regionale Unterschiede in den Amputationsraten. Bei peripheren Amputationshöhen ist die systematische Variation am stärksten. Insbesondere im Osten und Südosten sind regionale Cluster erkennbar, die Anhaltspunkte für einen möglichen regionalen Verbesserungsbedarf in der Versorgung liefern.

Abstract

Objectives Amputations reduce irreversibly the quality of life. Health care always aims at avoiding amputations, and the quality of such care provided nationwide should be the same. This study aims to display rates of amputations at the county level and to uncover differences in health care.

Methods Using German nationwide hospital discharge data, amputations between 2011 and 2015 were identified. Regional variation is displayed using raw and risk-standardized rates per 100,000 persons. Furthermore, the Systematic Component of Variation (SCV) was computed and Funnel Plots display the Standardized Morbidity Ratio (SMR).

Results The median amputation rate during the observation period was 67 cases per 100,000 persons with a 6-fold variation between counties. Variation between counties remained independent of demographic differences. Higher rates got visible especially within counties in the East and Southeast. The highest systematic variation was seen in amputation heights toe/foot ray (SCV 11.8) and foot complete and mid-/forefoot (SCV 11.7).

Conclusion In Germany, there are significant regional variations of amputation rates at the county level. The systematic variation is strongest within peripheral amputation heights. Especially in the East and Southeast of Germany, clusters of high amputation rates give insights in the potential regional need for improvement.

Ergänzendes Material