Krankenh.hyg. up2date 2019; 14(02): 183-200
DOI: 10.1055/a-0834-5409
Antiinfektiva
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Resistenzstatistiken – mit Verzerrungen umgehen

Ulrich Sagel
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Publication Date:
12 July 2019 (online)

Antibiotika-Resistenzstatistiken enthalten für Antibiotic-Stewardship- und Hygieneteams wichtige Informationen. Es gibt aber zahlreiche Fallstricke, die zu falschen Schlussfolgerungen führen können. Der Beitrag zeigt, was bei einer umsichtigen Erstellung und Interpretation von Resistenzstatistiken zu beachten ist, und erläutert zu diesem Zweck die vielfältigen Möglichkeiten von Bias.

Kernaussagen
  • Das Anfertigen und Auswerten von Erreger- und Resistenzstatistiken ist nicht trivial, eine Standardisierung ist schwierig.

  • Resistenzstatistiken sind unverzichtbar, um für die kalkulierte Antibiotikatherapie eine wesentliche Orientierung zu bieten, und um Hygiene- und Antibiotic-Stewardship-Teams eine Übersicht über die Resistenzlage zu gewähren.

  • Die gründliche Kenntnis der verschiedenen Fallstricke schützt vor unkritischen und leichtfertigen Schlussfolgerungen, die zu wesentlichen Fehleinschätzungen führen können.

  • Nationale Standards zur Harmonisierung von Resistenzstatistiken sind nötig. Denn Statistiken, die mit unterschiedlichen Algorithmen kalkuliert wurden, lassen sich nicht unmittelbar und nur mit besonderer Vorsicht miteinander vergleichen.

  • Sofern nicht nach einem definierten Standard vorgegangen wird, muss die Auswertetechnik im Einzelnen beschrieben werden [11].

  • Ein einheitlich akzeptierter Standard kann helfen, um Daten eines Krankenhauses mit anderen aus der Region und nationalen Referenzdaten (z. B. ARS!) möglichst unmittelbar zu vergleichen.

  • Mit der CLSI-Guideline M39 gibt es eine Richtlinie. Für mikrobiologische Labore, die sich im Rahmen des Qualitätsmanagements nach einem vordefinierten Standard richten möchten, ist diese Guideline eine Option, da es keine europäischen oder nationalen Alternativen gibt.

  • Einige Empfehlungen der CLSI-Guideline M39 sind eher pragmatisch als ideal und daher kritisch zu überdenken. Abweichungen sind bei besonderen Fragestellungen nötig.

  • Wenn das primäre Ziel einer Resistenzstatistik der Vergleich mit nationalen Daten ist, sollte man idealerweise solche Algorithmen wählen, die den nationalen Daten zugrunde liegen. Daher kann eine grundsätzliche Anwendung der Guideline M39 in Deutschland nicht empfohlen werden.

  • Merke: Resistenzstatistiken stoßen an vielen Stellen an Schwierigkeiten, für die es keine perfekte Lösung gibt. Sie sollten deshalb immer umsichtig und zurückhaltend interpretiert werden.