Z Orthop Unfall
DOI: 10.1055/a-0820-6256
Originalarbeit
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Degenerativ bedingte Knorpelschäden im medialen Kniekompartiment. Assoziierte Faktoren, operative Optionen und präliminäre Ergebnisse aus dem KnorpelRegister (DGOU)

Degenerative Cartilage Lesions of the Medial Knee Compartment. Associated Factors, Operative Options, and Preliminary Results from the CartilageRegistry DGOU
Suzanne Lungwitz
1  Praxisklinik für Unfallchirurgie und Orthopädie Eisenach
,
Philipp Niemeyer
2  Department für Orthopädie und Traumatologie, Universitätsklinikum Freiburg und OCM Klinik GmbH, München
,
Julia Maurer
3  Studienzentrum, Universitätsklinikum Freiburg, Medizinische Fakultät, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
,
Jürgen Fritz
4  Orthopädie und Unfallchirurgie, Orthopädisch Chirurgisches Centrum, Tübingen
,
D. Albrecht
5  Chirurgie, Klinik im Kronprinzenbau, Reutlingen
,
Peter Angele
6  Unfallchirurgie, Universitätsklinikum Regensburg
,
Stefan Fickert
7  University Medical Center Mannheim Medical Faculty Mannheim, Heidelberg University, Sportorthopaedicum Regensburg/Straubing, Straubing
,
Kolja Gelse
8  Unfallchirurgische Abteilung am Universitätsklinikum Erlangen
,
Wolfgang Zinser
9  Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, St. Vinzenz-Hospital Dinslaken
,
Gunther O. Hofmann
10  Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Universitätsklinikum Jena
11  Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie, BG Kliniken Bergmannstrost, Halle
,
Gunter Spahn
1  Praxisklinik für Unfallchirurgie und Orthopädie Eisenach
10  Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Universitätsklinikum Jena
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Publication History

Publication Date:
08 February 2019 (eFirst)

Zusammenfassung

Degenerativ bedingte Knorpelschäden im medialen Kniekompartiment. Assoziierte Faktoren, operative Optionen und präliminäre Ergebnisse. Ergebnisse aus dem KnorpelRegister (DGOU).

Zielsetzung Ziel dieser Untersuchung war es, den Stellenwert der knorpelregenerativen Behandlungen bei Patienten mit degenerativ bedingten Knorpelschäden des Kniegelenkes, vor allem bei Vorliegen von kombinierten Defekten, unter dem Aspekt der Versorgungsforschung anhand der Daten aus dem KnorpelRegister in Deutschland zu untersuchen.

Material und Methode Das KnorpelRegister (DGOU) besteht seit dem Jahre 2013. Bis August 2016 wurden im Kniemodul des Registers insgesamt 1847 Behandlungsfälle erfasst, von denen 432 Patienten (23,3%) degenerativ bedingte Knorpelschäden im Bereich des medialen Kompartiments aufwiesen. Entsprechend den Präferenzen der verschiedenen an der Erfassung beteiligten Einrichtungen wurden bei diesen Patienten verschiedene Verfahren der knorpelregenerativen Therapie angewandt. Die Kontrolluntersuchungen ([Online-]Evaluation) erfolgte nach 6, 12 und 24 Monaten durch Befragung der subjektiven Patientenzufriedenheit und Bestimmung des KOOS (Knee injury and Osteoarthritis Outcome Score).

Ergebnisse Insgesamt hatten 358 Patienten isolierte Defekte im Bereich des medialen Kondylus, 25 Patienten isolierte tibiale Defekte und bei den restlichen 49 Patienten lagen kombinierte Defekte (kissing lesions) vor. Unterschiede zwischen Männern und Frauen in Bezug auf die Defektpathologie gab es nicht, Patienten mit isolierten femoralen bzw. tibialen Defekten waren signifikant jünger als Patienten mit kombinierten Defekten. Tendenziell hatten Patienten mit einem tibialen Defekt eine kürzere Anamnesedauer. Als Therapie kam in 20,1% der Fälle die Knochenmarkstimulation, in 39,9% die autologe Knorpeltransplantation allein bzw. in 8,1% der Fälle die Knorpeltransplantation in Kombination mit einer Spongiosaplastik zur Anwendung. Sonstige Therapieverfahren waren Bohrung, osteochondrale Transplantationen, matrixassoziierte Mikrofrakturierung, Débridement. In 17,9% der Fälle erfolgten kombinierte Verfahren. Begleiteingriffe wurden bei 39,7% der Patienten mit einem isolierten femoralen, bei 56,0% der Patienten mit einem tibialen und in 67,6% bei kombinierten Defekten durchgeführt. Hierbei handelte es sich in den meisten Fällen um zusätzliche Tibiakopfosteotomien. Subjektiv waren Patienten mit einem femoralen Defekt signifikant häufiger sehr zufrieden/zufrieden, gefolgt von Patienten mit isoliertem Tibiadefekt. Am schlechtesten schlossen Patienten mit kombinierten Defekten ab. Der KOOS betrug zur Eingangsuntersuchung im Median 52 Punkte und stieg nach 6 Monaten auf 75, nach 12 Monaten auf 78 und nach 24 Monaten auf 80 Punkte an. Dabei zeigten Patienten mit einem isolierten femoralen Defekt tendenziell bessere Ergebnisse als die übrigen Patienten. Die Gesamtrevisionsrate betrug 7,1%.

Schlussfolgerungen Die Daten zeigen, dass bei der Behandlung degenerativer Knorpelschäden des medialen Gelenkkompartiments des Kniegelenkes (Früharthrosen) durch knorpelregenerative Verfahren in solchen Fällen kurz- und mittelfristig akzeptable Ergebnisse erzielt werden können.

Abstract

Purpose This study was aimed to determine the impact of bioregenerative operations in case of degenerative cartilage lesions within the media knee compartment.

Material and Methods The CartilageRegistry DGOU was founded in 2013. At the deadline August 2016 a total of 1847 patients were included. A total of 23.3% (n = 432) was suffering from a degenerative cartilage lesion in the medial compartment. Follow-up was performed after 6, 12, and 24 months (online evaluation). The patients were asked for their subject feeling as well as the KOOS (Knee injury and Osteoarthritis Outcome Score) was determined.

Results Most of the patients (n = 358) suffered from a single femoral lesion. In 25 cases single tibial and in 49 cases combined defects (“kissing lesions”) were addressed by different treatment options: 39.9% autologous chondrocyte transplantation, in 8.1% in combination with a spongiosa plasty. Other treatments were drilling, microfracturing with or without matrix. In 17.9% the surgeons had chosen combined methods. The bioregenerative treatment was combined with a concomitant operation in 39.7% in patients with medial, in 56.0% in patients with a tibial, and in 67.9% in patients with combined defects. The mostly performed additional operations were osteotomies. There were no gender differences at baseline or during follow-up. The history of patients with femoral defects was shorter than in the other groups. The patients with medial defects judged the subjective outcome significant more frequently better after 6, 12, or 24 months compared with the other groups. The KOOS raised from baseline (median 52 points) to a median of 75 after 6, to 78 points after 12, and to 80 points after 24 months. Patients with femoral defects had a better KOOS-outcome in tendency. Revision operations were required in 7.1%.

Conclusions The treatment of degenerative cartilage lesions (respective early OA) by bioregenerative procedures are well-established measures. These treatments are sufficient to produce high patientsʼ satisfaction and acceptable short/midterm results.