Rehabilitation (Stuttg) 2019; 58(01): 50-58
DOI: 10.1055/a-0781-8967
Methoden in der Rehabilitationsforschung
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Propensity-Score-Methoden zur Schätzung von Behandlungseffekten: Eine Chance für die rehabilitative Versorgungsforschung

Propensity Score Methods to Estimate Treatment Effects: An Opportunity for Rehabilitation Service Research
David Fauser
1  Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie, Sektion Rehabilitation und Arbeit, Universität zu Lübeck
,
Matthias Bethge
1  Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie, Sektion Rehabilitation und Arbeit, Universität zu Lübeck
› Author Affiliations
Further Information

Publication History

Publication Date:
15 February 2019 (online)

Zusammenfassung

Die randomisierte kontrollierte Studie ist der Goldstandard zur Überprüfung der Wirksamkeit einer Intervention. Sie ermöglicht eine unverzerrte Schätzung des Behandlungseffekts, da die Zuweisung zu den Behandlungsarmen zufällig erfolgt und damit unabhängig von Patientenmerkmalen oder vorangehenden Maßnahmen der Patientenversorgung. Unterschiede im Zielkriterium können kausal auf die Behandlung zurückgeführt werden. In Beobachtungsstudien erfolgt die Zuweisung in Interventions- und Kontrollgruppe nicht zufällig. Die Zuweisung ist vielmehr mit Patientenmerkmalen assoziiert, für die eine Wirkung auf das Zielkriterium nicht ausgeschlossen werden kann. Effektschätzer aus Beobachtungsstudien müssen deshalb als verzerrt gelten. Methodische Ansätze, die den Propensity Score nutzen, berücksichtigen diese Gruppenunterschiede bei der Analyse von Beobachtungsdaten. Der Propensity Score ist die aufgrund beobachteter Variablen bedingte Wahrscheinlichkeit, die Behandlung zu erhalten. Mittels Propensity-Score-Matching können so balancierte Stichproben von behandelten und unbehandelten Personen gebildet werden. Zur Darstellung der Behandlungseffekte können dieselben absoluten Effektmaße genutzt werden wie in randomisierten kontrollierten Studien.

Abstract

The randomized controlled trial is the gold standard to validate the efficacy of an intervention. Randomized treatment assignment in intervention and control group independent of patient characteristics or previous measures of patient care allows one to estimate unbiased treatment effects. Differences in outcomes can be attributed causally to the treatment. In observational studies treatment assignment is not randomized in intervention and control group. Instead, the assignment is influenced by patient characteristics. This could lead to biased estimates of treatment effects. Statistical approaches based on the propensity score take into account the group differences in observational data. The propensity score is the probability of treatment assignment conditional on observed variables. By means of propensity-score-matching balanced samples of treated and control subjects can be formed. To express treatment effects, the same statistical approaches can be used as those in randomized controlled trials.